Eleganz

Banking is necessary, but banks are not!

Von Thomas Nasswetter

Im Jahre 2017 beginnen Open Source Technologien Banken für weite Teile der Weltbevölkerung obsolet zu machen. Hat sich Bill Gates das so gedacht, als er mit seinen in der Überschrift zitierten Worten schon 1994 die Banken für obsolet erklärte?

Kryptowährungen – Frontalangriff auf die Finanzindustrie

Anfang März gab es eine bemerkenswerte Meldung aus dem Finanzsektor: Bitcoin, eine Kryptowährung, ist erstmals teurer als Gold. So oder ähnlich titelten die konservativen deutschen Blätter. Bei den linken Zeitungen war es dagegen merkwürdig still. Experten wurden also bemüht, gaben Vermutungen und verschiedenste Erklärungen von sich aber die Kommentatoren bleiben merkwürdig stumm, gerade so als ob das nun alles nichts Weltbewegendes wäre.

Auch die Banken bleiben unisono stumm, erst nach acht Wochen „Schockstarre“ rückte der erste deutsche Zentralbanker aus: „Bundesbank-Vorstand warnt vor Kryptowährung“ lautete die Schlagzeile.

Offenbar ist sich die Finanzwelt noch nicht wirklich bewusst, was es langfristig mit der digitalen Währung auf sich hat und warum die Blockchain, auf der auch der Bitcoin basiert, der große natürliche Feind der Banken ist. Eine Blockchain schafft letztlich absolute Transparenz bei sicherer Verschlüsselung in einem dezentralen Netzwerk, ist sehr fehlertolerant und sehr fälschungssicher. Alles was Banken auch sein müssen oder sollten.

Blockchain – Via la revolución

Dieser Moment fühlt sich für mich persönlich förmlich nach Weltrevolution an. Eine Revolution, die einem großen Teil der Weltbevölkerung letztlich ein Open Source Finanztransaktionssystem liefern könnte, das (scheinbar) komplett auf irgendwelche Dienstleistungen von Banken verzichten kann. Alles wird verschlüsselt in eine extrem fälschungssichere öffentlich Datei geschrieben, die öffentlich ist – vereinfacht gesagt.

Dezentraler Konsensmechanismus

Keine Clearing Instanzen, die das Vertrauen aller Marktteilnehmer genießen müssen, sind dann mehr notwendig. Ein dezentraler Konsensmechanismus ersetzt die Notwendigkeit dieser vertrauenswürdigen dritten Instanz zur Bestätigung der Integrität von Transaktionen.

Damit wird auch den Geheimdiensten der Zugriff auf die Transaktion beinahe verunmöglicht, ein wichtiger Aspekt gerade im Hinblick auf die Bürgerrechte, die von bestimmten Teilen der „Sicherheitsgesellschaft“ immer mehr ausgehöhlt werden. Ein weiterer Aspekt den es in diesem Zusammenhang zu diskutieren gilt.

Blockchain als Wundermittel der Demokratie?

Aber eine Blockchain kann noch viel mehr: elektronischer Gesundheitsakt, Verträge, Gesetzgebung, elektronische Stimmabgabe bis hin zur Energieabrechnung, vieles ist möglich, vielfältig und vielversprechend. Letztlich gibt es keine Notwendigkeit mehr für viele zentrale Instanzen, wie wir sie derzeit brauchen und damit entfallen auch deren Kosten. Damit verändert sich ein Weltbild komplett. Notar und Anwälte werden für Verträge nicht mehr gebraucht, Wahlen werden online mit wenig Chance auf Manipulationen durchgeführt werden und der Umgang mit öffentlichen Stellen wird sich ebenfalls grundlegend verändern. Allein der Zugang zum Internet bietet plötzlich den Menschen auch den Zugang zu Rechtssicherheit. Davon können leider heute 80% der Weltbevölkerung nur träumen.

Wo bleibt die Politik?

Das alles wird vermutlich mit rasender Geschwindigkeit über uns hereinbrechen. Die Politik ist dabei noch nicht einmal in den Startlöchern. 2020 werden schätzungsweise über 4 Milliarden Menschen einen Internetzugang besitzen und damit Zugang zu Open Source Technologien wie eben der Blockchain haben. Zeit, diese Technologien im Sinne einer demokratischen Entwicklung einzusetzen.

Damit werden, um den Bogen zu schließen, sich die Banken wohl viel schneller als gedacht überlegen müssen, auf welchen Dienstleistungen in Zukunft ihre Geschäftsmodelle fußen werden. Denn oben zitierter Bill Gates sieht in dieser Entwicklung eine reisen Chance für den ärmeren teuer der Weltbevölkerung. “Digital technology provides a low-cost way for people in developing countries to send money to each other, buy and sell goods, borrow and save as long as the financial-regulation environment is supportive.” (Annual Letter, Gates Foundation: 2015)

Anmerkung: Dieser Artikel ist auf keinen Fall als Aufforderung zu verstehen in Bitcoin oder andere Kryptowährungen zu investieren. Dieser Artikel soll lediglich aufzeigen, wo der Zug in Sachen Geld und Geldgeschäfte hinfahren könnte. Denn eines ist klar, auch wenn Bill Gates mit seiner Vision zum Thema Banken bisher recht hatte, so gibt es genug Voraussagen von ihm mit denen er völlig falsch lag und über die wir uns durchaus gerne amüsieren. Deshalb gilt grundsätzlich: Holzauge sei wachsam.

 

Quellen:

http://www.wienerzeitung.at/meinungen/gastkommentare/862185_Digitalisierung-als-Schluessel-fuer-Wirtschaftswachstum.html

http://www.handelsblatt.com/finanzen/banken-versicherungen/bitcoin-hoehenflug-bundesbank-vorstand-warnt-vor-kryptowaehrung/19766954.html

http://www.faz.net/aktuell/finanzen/devisen-rohstoffe/digitale-waehrung-bitcoin-ist-wertvoller-als-gold-14907983.html

http://www.handelsblatt.com/finanzen/maerkte/devisen-rohstoffe/bitcoins-es-ist-nicht-alles-gold-was-glaenzt/19470716.html

http://diepresse.com/home/wirtschaft/boerse/5178427/Digitalwaehrung-Bitcoin-ist-mehr-Wert-als-Gold

https://www.welt.de/finanzen/article162541318/Der-Bitcoin-ist-erstmals-mehr-wert-als-Gold.html

https://yourstory.com/2015/01/quotes-bill-gates-mobile-banking/

 

5-blaetter-Bluete

Die Digitale Gesellschaft oder Twitter Meldungen machen keine Politik

Von Thomas Nasswetter

Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Gesellschaft auf das System Demokratie?

Wir kennen alle das Schlagwort von der Industrie 4.0: Vernetzte roboterbestückte Fabriken, Maschinen die mittels KI (Künstlicher Intelligenz) die Produktionsprozesse selbständig immer weiter verbessern, globale Prozessketten in der alle an der Wertschöpfung Beteiligten miteinander verbunden sind und Fabrikgelände in denen Menschen nur mehr vereinzelt als Wächter, Wartungstruppe oder Aufseher vorkommen.

Natürlich macht diese Vorstellung vielen Menschen Angst. Denn viele sehen den Arbeitsplatz, an dem sie in Zukunft gebraucht werden nicht mehr. Auf der anderen Seite wird immer wieder betont, dass viele Unternehmen – vor allem Mittelständische – kaum, sehr wenig oder gar nicht auf die Digitalisierung und damit auf die Industrie 4.0 vorbereitet sind.

Die Digitalisierung ist da!

Und das, obwohl die Digitalisierung mitten in unserer Gesellschaft angekommen ist. Heute eröffnet uns das Möglichkeiten, von denen meine Generation – ich bin Jahrgang 1965 – noch nicht einmal zu träumen wagte. Ein aktuelles Smartphone besitzt eine Rechenleistung, die ähnlich groß ist, wie die der NASA für das Mondlandeprogramm in den 1960ern. Wir tragen diese Dinger zu Millionen in unseren Hosen- und Handtaschen mit uns herum.

Wir machen damit Fotos und Videos, zeigen sie unseren Freunden und Bekannten in den Sozialen Medien und wickeln einen großen Teil unseres täglichen Lebens damit ab. Rund 150 Mal pro Tag blicken wir jeden Tag auf unser Smartphone. Und das, obwohl wir arbeiten und schlafen. Ein Tag ohne Smartphone wird mittlerweile zur persönlichen Höchststrafe und gleicht einem temporären Ausschluss aus der Gesellschaft.

Disruptive Veränderungen – Hello World

2004 ging Facebook online, heute kommunizieren 1,7 Milliarden Menschen damit. Der Großteil macht das mittlerweile von mobilen Geräten aus. Die Menschen sind offenbar sehr offen gegenüber diesen gewaltigen Neuerungen in der Art mit anderen zu kommunizieren. Es ist leicht zu lernen und macht Spaß. „Hallo World“ hat eine ganz neue Dimension erhalten.

Natürlich geht das in der Industrie nicht so leicht. Da ist es nicht leicht, zu lernen und es macht vielen keinen Spaß. Wenigstens sind die Zeiten vorbei, als Vorstände stolz darauf waren, nicht in Facebook, Twitter oder WhatsApp zu sein. Diese konservative Haltung hat gerade in der deutschen Industrie sehr viel Innovation verhindert. Digitalisierung hat zu lange die Aura einer privaten Müßigkeit gehabt.

Mitten im Spiel mit ungewissem Ausgang

Während russische und chinesische Hacker zur Weltklasse zählen und riesige Bot-Netze betreiben oder den (Klassen-)Feind auf kreativste Weise ausspionieren und die NSA sich fast offiziell an die Spitze der Industriespionageorganisationen gesetzt hat, ist den meisten Deutschen Unternehmensführungen noch immer nicht ganz klar, wie das Spiel Industrie in Zukunft gespielt wird. Obwohl sie schon mitten im Spiel sind. Noch blenden die Erfolge der Vergangenheit, doch fast in allen Branchen stehen Disruptoren wie Elon Musk bereit oder sind schon am Zug. Wenige davon kommen aus Deutschland. Und noch schlimmer sieht es in der Politik aus oder besser gesagt, bei den Politikern, Verbänden, Interessensvertretungen und Lobbyisten.

Die Politik(er) ist (sind) bestenfalls weltfremd

Das Motto lautet: Vielleicht ein wenig E-Voting und Mitbestimmung übers Netz gepaart mit einem intelligenten Wahlkampf in den Sozialen Medien. So scheint es, stellen sich noch viele Politiker_innen ihre Rolle in der digitalisierten Gesellschaft vor. Die AfD und die FPÖ haben es ja vorgemacht und sind im Internet stark. Und das bisschen Facebook, das kriegen wir schon hin.

Dass die AfD in Wahrheit keine digitale Strategie hatte und der Boom in den Sozialen Netzen eine soziologisch recht einfach erklärbare Tatsache und damit fast ausschließlich Zufall war, das ist bei den politischen Vorständen noch nicht so recht angekommen. Es bleibt bei zaghaften und manchmal krampfhaften Versuchen. Und es gibt ein paar Early-Adaptor, heute reichlich spät.

Donald Trump hat vorgemacht, wie man via Twitter und 140 Zeichen eine Wahl schlägt und zeigt uns gerade recht deutlich, dass auch der mächtigste Mann der Welt, damit keine Chance hat, reale Politik zu machen.

Politik in einer Demokratie bleibt ein komplexes System

Hier schließt sich der Kreis. Während also die Digitalisierung der Gesellschaft weiter zügig voranschreitet und die Menschen einfach mitmachen und nebenbei fast ausschließlich US-amerikanische Unternehmen den Lead besitzen, hat das System Wirtschaft im deutschsprachigen Raum zumindest einigen Handlungsbedarf. Die Politik aber ist noch in einer kindlichen Try & Error Phase.

Try & Error hilft aber im Umgang mit komplexen Systemen nichts, weil es zu viele Parameter und zu viele nichtlineare Prozesse gibt. Der Umgang mit der Politik in einer digitalisierten Gesellschaft muss deutlich ernster und wesentlich breiter angegangen werden. Das betrifft nämlich nicht nur die Poliker_innen, sondern alle Stakeholder an politischen Prozessen und damit letztlich auch die Bürger_innen selbst.

Denn eines ist klar, eine Facebook- oder Twitter-Meldung macht noch keine Politik. Das gilt sowohl für Lieschen Müller als auch für Donald Trump.

Das Zauberwort heißt wie überall „digitale Strategieentwicklung“ – in Politik, Gesellschaft und Industrie! Und zwar bevor eines der Systeme kippt.