Schilf2

Das Schweigen der Wähler

Von Benjamin Kloiber

Die Mehrheit ist still

Schon vor einigen Wochen sah ich einen Bericht, der von der „schweigenden Mehrheit“ handelte. Diese schweigende Mehrheit umfasst alle Menschen, die sich wenig oder gar nicht öffentlich und in sozialen Netzwerken zu politischen Themen äußern.

Politik? Nicht mit mir!

Wie schwierig es ist, der schweigenden Mehrheit ein paar Worte zu entlocken, habe ich in den letzten zwei Wochen selbst erlebt. Ich habe Leute kontaktiert und gefragt, ob sie bereit wären, vor der Kamera ein Interview zu geben. Mit einem Interview hatte niemand ein Problem. Die Kamera ist auch in Ordnung. Aber das Thema – Politik – das war vielen zu heikel.

Nein, es geht nicht um Flüchtlinge. Nein, du wirst nichts zur AfD gefragt. Nein, um Religion geht es auch nicht. Nur um Demokratie soll es gehen. Ganz simpel. Die eigenen Gedanken stehen im Vordergrund und die Fragen zielen nicht darauf ab, einen peinlichen „Sager“ zu provozieren. Und dennoch: Die Angststarre ließ nicht nach. Das verteufelte Wort „Politik“ allein reichte schon, um die Leute zu vergraulen.

Für oder gegen

Es ist so schade, dass sich völlig normale Leute unwohl dabei fühlen, offen über normale politische Themen zu sprechen. Zu groß ist die Angst, irgendwo anzuecken. Gerade jetzt, wo viele komplexe Themen so dargestellt werden, als gäbe es nur zwei Positionen – nämlich Pro oder Kontra. Ein Beispiel: Sollen Flüchtlinge kommen oder sollen sie weg? Dass beide Antworten das eigentliche Problem ignorieren – nämlich den Fluchtgrund – spielt in der öffentlichen Betrachtung immer noch kaum eine Rolle. Ein weiteres Beispiel: Ist der gelbhaarige Showman Donald Trump ein geiler Hecht, der unbeirrt sein Programm durchzieht oder ist er der zu Fleisch gewordene Weltuntergang? Dass sein Wahlsieg und seine Auffassung von Demokratie nur ein Symptom und nicht die Krankheit per se ist, scheint egal zu sein.

Wacht auf und sprecht!

Es täte der Demokratie nur gut, würde sich die schweigende Mehrheit aufraffen, um ihren Senf dazuzugeben. Teilhabe fördert Lösungen. Die Wahrnehmung, dass alles entweder Schwarz oder Weiß sei, ist eine verzerrte – weil jene, die „Schwarz“ oder „Weiß“ herausrufen, am lautesten sind. Traut euch Leute. Ruft „Grau“! Oder „Lila“. Oder sonst was – aber ruft was!

Schwertlinie

Die Suche nach der einzig wahren Wahrheit

Von Benjamin Kloiber

Fake, Fake, Fake

Fake News wurde bereits zum Anglizismus des Jahres 2016 gekürt und hat auch in laufenden Jahr Chancen, in der ein oder anderen Kategorie (unrühmliche) Preise abzusahnen. Wir alle kennen Fake News. Zuhauf lesen wir welche auf Sozialen Netzwerken oder hören sie direkt aus dem Mund eines amerikanischen Wüterichs und Präsidenten.

Doch wie erkennt man, was Fake ist und was nicht? Zum Teil kann das schwierig sein. Manchmal sind die falschen Nachrichten so gut aufbereitet, dass sie wahr sein KÖNNTEN, …wenn sie es denn wären.

Binnen den letzten Wochen hat sich nicht nur einer; es haben sich sogar zwei prominente „Macher“ zur Aufgabe gemacht, uns von Fake News zu befreien. Sowohl der Wikipedia-Gründer Jimmy Wales als auch der Dosenmogul Dietrich Mateschitz wollen ein Onlineportal gründen, dass nicht als die Wahrheit verbreiten soll.

In der Dose liegt die Wahrheit?

Solch ein Vorhaben mag edel sein. Aber Skepsis ist dennoch angebracht. Wie bei allen Nachrichtenportalen, Zeitungen, Sendungen, usw. gilt: Eine 100%ige Vollständigkeit gibt es nicht. Kann es nie geben. Es werden ganze Bücher verkauft, mit Nachrichten, die es in den letzten 365 Tagen nicht in die Medien geschafft haben. Ein jedes Medium muss selektieren. Auch ein Nachrichtenprotal mit der einzig wahren Wahrheit.

Es mag am Ende etwas herauskommen, das bestimmt nicht als Fake News zu bezeichnen ist. Aber ein kleine Kelle Subjektivität schummelt sich in jeden Suppentopf. Auch die Selektion der Nachrichten ist alleine schon eine Wertung. Und ganz nebenbei: Reiche mächtige Männer, die Geld in die Hand nehmen, um Wahrheit zu verbreiten… Das alleine bringt mich dazu, die Nase zu rümpfen. Da darf man ruhig skeptisch sein.

Lesen mit Verstand

Ich habe das hier nicht geschrieben, um die Bemühungen, gegen Fake News vorzugehen zu verteufeln. Ich schreibe das, weil ich der festen Überzeugung bin, das Fake News ein Virus ist, der nicht zur Gänze auszulöschen ist. Es wird sie immer geben. Und sie werden immer Gehör finden. Die besten Impfungen sind ein reflektierter Konsum von Nachrichten und kritisches Hinterfragen. Wer dies beherrscht, ist so gut wie immun gegen Fake News.

Dornen

„Aus großer Macht folgt große Verantwortung“

Von Benjamin Kloiber

Diesen Spruch trichterte Onkel Ben seinem nerdigen Neven Peter Parker immer wieder ein. Als dieser später im schicken rotblauen Einteiler Verbrecher jagte, beherzigte er diesen Leitspruch stets. Angesichts der neuen Geschäftszahlen von Facebook, möchte man auch Mark Zuckerberg diesen Satz zurufen.

Facebook wird mächtiger

Um satte 77% steigerte das Unternehmen seinen Gewinn. Das sind 3 Milliarden Dollar mehr als im Vorjahr. Unglaublich aber wahr: Diese Wertsteigerung resultiert fast ausschließlich aus der eingeblendeten Werbung auf Smartphones und Tablets, wegen denen ich zweimal die Woche vor Ärger in Hysterie verfalle.

Facebooks Kapital sind Daten. Unser aller Daten. Informationen die wir zur Verfügung stellen, durch ein „Teilen“, ein „Gefällt mir“ oder auch nur einen Klick mit der Maustaste. Wir genießen das. Wir loggen uns ein und sehen Beiträge und Nachrichten, die dank dem berühmtberüchtigten Facebook-Algorithmus auf uns persönlich abgestimmt sind.

Facebook ist heute mehr als eine Plattform, in der man sich mit Freunden vernetzt. Es übernimmt journalistische Aufgaben, in dem es Informationen filtert. Eine komplexe Welt soll für uns vereinfacht dargestellt werden. Es jongliert mit Bällen in sämtlichen Farben, wirft uns aber nur einen zu.

2 Milliarden Nutzer – eine Firma

Die Tatsache, dass 2 Milliarden Leute und damit quasi die gesamte westliche Welt diese Plattform nutzt, darf über eines nicht hinwegtäuschen: Facebook ist viel – aber nicht demokratisch. Die Daten von 2 Milliarden Menschen gehören nicht uns allen. Sie gehören EINER Firma. Eine Firma, die daraus gigantischen Wert generiert. Eine Firma, hinter deren Namen einige wenige Köpfe entscheiden. Eine digitale Supermacht, die eine Entwicklung vorantreibt, an der wir alle noch viel zu wenig aktiv teilhaben.

Blaetter2

Counter Strike lernt lieben

Von Benjamin Kloiber

Hass im Netz. Fake News. Lügen. Hetze. Wenn ich an Online-Foren denke, schwirren mir diese Schlagwörter als erstes durch den Kopf. Ein Online-Forum scheint demnach kein geeigneter Platz zu sein, wo man seine Kinder zum Spielen hinschickt. Derselben Logik nach ist eine Online-Community kein guter Umgang für Kinder.

Junger Gamer wird gedisst

Umso berührender fand ich die Geschichte über einen 17-jährigen Burschen, die ich neulich in der Welt las: Der junge Adam, ist von Geburt an körperlich eingeschränkt. Ihm fehlen Nase und einige Zähne. Er kann nicht deutlich sprechen und sieht schlecht. Seine Leidenschaft „Counter Strike“ teilt er mit vielen Jugendlichen seines Alters. Bei diesem Ego-Shooter bekriegen sich Teams online bis zum letzten digitalen Blutstropfen.

Während des Spiels wird per Mikrofon und Chat miteinander kommuniziert. Adam informierte seine Mitspieler stets vorab über seine Einschränkungen. Zumeist verlief dies problemfrei. Einmal hingegen wurde er beleidigt und aus der Spielrunde entfernt. Wütend riss sich Adam das Headset vom Kopf und schaltete den Bildschirm aus.

Aber damit war die Geschichte nicht vorbei. Adam ist Streamer. Er filmt seine Spiele und einige Leute sahen ihm zum Zeitpunkt seines Rauswurfs zu. Einer von ihnen wurde aktiv. Er postete das Geschehene in einem Online-Forum, um damit die Counter Strike-Community zu erreichen.

Was ist das für eine Community?

Die Leute sind zumeist jung und männlich. Höfliche Umgangsformen können während dem Spiel vereinzelt vorkommen, doch Mobbing und Beschimpfungen haben dort ebenso ihren Platz. Was Adam betrifft, zeigten sich seine Mitspieler damals von ihrer schlechtesten Seite. Doch wie die Counter Strike-Community auf den Forumsbeitrag reagierte, war schlicht großartig.

Seine zehn bis zwanzig Zuschauer wurden zu Tausenden. Geldspenden sind für Streamer nichts Ungewöhnliches. Schließlich brauchen sie für gute Videos entsprechend gutes Equipment. Und seine tausenden Zuschauer spendeten ihm tausende Dollar. Diese will er nicht nur in besseres Material investieren, sondern auch in chirurgische Eingriffe. Sogar ein professionelles Counter Strike-Team kontaktierte Adam, um ihm ins Team aufzunehmen. Für Adam ein tolles Happy End.

Was ist da passiert?

Adam wurde per Abstimmung von all seinen Mitspielern aus dem Game entfernt. Tage später ist er um mehrere tausend Dollar reicher, während die Spieler, die ihn mobbten, eine Sperre aufgebrummt bekamen. Ein und dieselbe Community zeigte binnen kürzester Zeit ihr hässlichstes und schönstes Gesicht.

Adam hatte in der einen Partie Pech. Er spielte mit Leuten, deren Verständnis für den eingeschränkten Mitspieler weniger wog als der Ärger über dessen undeutliche Aussprache. Adam wurde ausgeschlossen. Die Gruppe stellte sich gegen ihn. Dann war es eine Person, die sich ein Herz nahm und den Vorfall dokumentierte. Und dessen Forumsbeitrag produzierte ein lautes Echo. Das Pendel schwang um. Plötzlich stand Adam innerhalb des Kreises und seine unfairen Kontrahenten waren im Abseits.

Doch weder der unschöne Vorfall noch die großartige Reaktion repräsentieren die Counter Strike-Community. So wie das mit den Online-Communitys nun mal ist, melden sich jene zu Wort, die das gerade wollen. An einem Tag wollten Adams Mitspieler ihn geschlossen diskriminieren. An einem anderen Tag wollten andere Gamer ihre Solidarität mit Adam bekunden.

Man stelle sich vor, Adam hätte zum Zeitpunkt seines Rauswurfs nicht gestreamt. Man stelle sich vor, dieser eine Zuschauer hätte den Vorfall nicht gepostet. Die Counter Strike-Community hätte nicht ihr schönstes Gesicht zeigen können.

Rabarber

„Der Islam wird in jedes Haus kommen“

Von Benjamin Kloiber

Privat schüchtern – im Netz vorlaut

Ich saß neulich auf dem Beifahrersitz eines dunklen Citroëns. Im Radio sprach eine junge Frau über Facebook-Freunde. Sie meinte, sie war völlig schockiert über eine harsche politische Äußerung, die eine Freundin auf Facebook postete. Nie hätte sie ihr das zugetraut. Sie sind doch seit Jahren auch im Reallife befreundet und im direkten Gespräch wirkt sie so ganz anders – höflich und sogar etwas schüchtern. Das persönliche Gespräch ist geprägt von gegenseitiger Rücksichtnahme. Im Netz agieren viele weniger sensibel.

Es ist bekannt, dass viele Leute Facebook-Freunde haben, die sie privat kaum bis gar nicht kennen. Aber in diesem Fall hat jemand neue Seiten an einer Person kennengelernt, mit der man bereits befreundet war. Die junge Frau hatte überlegt, das Posting ihrer Freundin zu kommentieren. Sie tat es nicht. Sie wollte lieber im echten Leben mit ihren echten Freunden echte Gespräche führen. Das brachte mich zum Nachdenken.

Über eine Bekanntschaft…

Vor knapp 20 Monaten machte ich bei einem Seminar über „Politik und Moral“ an der Uni Bekanntschaft mit einem jungen Mann. Er war witzig, stets gut drauf. Kaum sah man ihn ohne Lächeln im Gesicht. Er schwärmte von seinem Job mit Jugendlichen und von seiner parteipolitischen Arbeit, die er nebenher betrieb. In jeder Seminareinheit saßen wir nebeneinander. Der Fan von Borussia Dortmund lud mich zu sich nach Hause ein, um das Fußballspiel gegen den FC Porto gemeinsam mit seinen Freunden im TV zu verfolgen. Dafür vernetzten wir uns per Facebook.

…die privat ihren Anfang nahm…

Irgendwann war das Seminar vorbei und wir sahen uns nur noch sporadisch. Ein „Hi“ hier und da. Anfang März stieß ich in einer Tageszeitung über einen kleinen Artikel, der von einem jungen Mann handelte, dem der Parteirauswurf bevorstand, weil er in führender Position für eine muslimische Missionierungsgruppe tätig war, die Politikwissenschaftler als salafistisch bezeichnen. Auch von Respektlosigkeiten gegenüber Frauen war die Rede.

…und auf Facebook ihr Ende fand

Ein Name wurde in dem Artikel nicht genannt. Aber das Alter stimmte und die Partei auch. Also sah ich mir das Facebook-Profil meines alten Freundes an, um herauszufinden, ob es sich um ihn handelte. Und tatsächlich. Ganz oben auf der Statusleiste fand ich ein rund 8-minütiges Video, auf dem er zu sehen war. Optisch hatte er sich verändert. Er trug nun einen dichten Bart. Seinen Job, bei dem er sich um Jugendliche kümmerte, hatte er nicht mehr. Mit bekannter Stimme sprach er in dem Video über Sachen, die mir von ihm unbekannt waren. Das Video endete mit dem Satz: „Der Islam wird in jedes Haus kommen.“ Ich wollte etwas schreiben. Aber ich ließ es sein und entfernte ihn als Freund. Die junge Frau im Radio hatte recht.

Geschlossene-Bluete1

Die drei „G“ des starken Mannes – geliebt, gefürchtet, gewählt

Von Benjamin Kloiber

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In Österreich für Alexander Van der Bellen sein und in der Türkei für Recep Tayyip Erdogan. In einem Land mit einem grünen und vermeintlich linken Politiker sympathisieren und in einem anderen Land mit dem rechten Hardliner. Wie passt das zusammen?

Die Frage, die viele Kommentare in den Medien füllt, zeigt sich hier an einem konkreten Beispiel. Wie könne jemand hier behütet in Demokratie und Meinungsfreiheit leben, während eben dieser jemand die gleichen Werte knapp 2.000 Kilometer südöstlich ablehnt?

Ein Versuch der Beantwortung ist Teil der Frage. Hier, wo der Taxifahrer lebt, lebt er gerne. Der soziale Aufstieg ist schwer – für ihn noch schwerer, da er Migrationshintergrund hat. Doch auch wer unter bescheidenen Verhältnissen lebt, dem bietet sich hier ein Wohlstand, der jenem in der Türkei überragt. Der Taxifahrer hat also ein begründbares Interesse daran, die herrschenden politischen Verhältnisse hier zu schützen.

Ausblenden des Schlechten

Entgegen vieler Türken „leidet“ der Taxifahrer nicht unter Erdogan. Eine Beschneidung der Grundrechte und Massenverhaftungen hat er durch Erdogan nicht zu fürchten. Schließlich befindet er sich in der politischen Obhut Österreichs. Er kann es sich leisten, die verbesserte Infrastruktur in den ländlichen Regionen der Türkei und den wirtschaftlichen Aufschwung in den Anfangsjahren von Erdogans Regentschaft zu zelebrieren. Dass dieser Aufschwung vor allem der Perspektive einer EU-Mitgliedschaft zu verdanken ist, spielt in den Köpfen der Türken keine Rolle. Warum auch? Als ob wir in Deutschland oder Österreich die EU für irgendetwas loben würden.

Die Perspektive einer EU-Mitgliedschaft ist fort. Doch dieser trauern viele Türken nicht nach. Dabei geht es keinesfalls um wirtschaftspolitisches Kalkül. Es geht um Gefühle. Erdogan und seine harte kompromisslose Politik gibt Türken in Deutschland und Österreich ein Gefühl, dass viele hier nie entwickeln konnten: Ein Gefühl der Zugehörigkeit – und auch ein Gefühl der Stärke.

Die Sehnsucht nach dem starken Mann

Erdogan suggeriert außenpolitische Macht. Politiker wie Angela Merkel waren in der Zeit des Flüchtlingszustroms Bittsteller bei Erdogan dem Großen. Nur dank seiner Gutmütigkeit und einigen Milliarden an Euro, konnten die Asylsuchenden auf dem Weg nach Zentraleuropa gestoppt werden.

Das Bild des starken Mannes zieht. Trump, Putin, Erdogan. Sie werden geliebt, gefürchtet und gewählt. In sie werden Hoffnungen gelegt, deren Umsetzung zum Teil am vorherrschenden politischen System scheitert. Erdogan ist gegen dieses System ausgerückt – und hat gewonnen. In Österreich fand der Taxifahrer die vorherrschende politische Ordnung noch schützenswert.

Seifenpflanze

Braucht die Welt noch Journalismus?

Von Benjamin Kloiber

NZZ.at wird eingestellt

Knapp 2 Jahre lang hielt sich das Projekt am Laufen. Aber nun ist es gescheitert. Ende April stellt der österreichische Ableger der „Neuen Züricher Zeitung“ – NZZ.at – den Betrieb ein. Das rein digitale Medium versuchte, sich durch Abos zu finanzieren. Vergeblich. Was lernen wir daraus?

Das Zeitungssterben schreitet voran

Printmedien werden weniger und dünner. Der Ausweg ins Netz schien lange Zeit als Überlebensstrategie zu taugen. Und nun geht eine Zeitung bankrott, die kein einziges Mal gedruckt wurde. Das wirft eine Frage auf, die sich nicht auf Printmedien beschränkt: Ist der Journalismus überlebensfähig?

Qualitätsjournalismus ist wertvoll

Die Frage ist klar zu bejahen. Qualitätsmedien sind oft meritorische Güter. Das bedeutet, sie werden weniger oft konsumiert, als es für die Gesellschaft wünschenswert wäre. Auch Sport und Schulbildung sind solche Beispiele. Und genauso wenig wie Schulbildung darf Qualitätsjournalismus begraben werden.

Nachrichten sind gratis

Wenn etwas Nennenswertes auf der Welt geschieht, erfahre ich auch davon. Der Zeitungsjunge, der mit brauner Baskenmütze auf einer gut frequentierten Straße steht, mit der Zeitung in der rechten Hand wedelt und ruft: „Extrablatt! Extrablatt!“, hat als Geschäftsmodell ausgedient.

Der Wert hinter dem Wert

Eine gute Aufbereitung wissenswerter Inhalte wird immer ihre Abnehmer finden. Und auch wenn der Kaufpreis alleine die Kosten augenscheinlich nicht deckt, gibt es staatliche und private Förderer, die den Wert der Botschaften zu schätzen wissen. Es wird Umbrüche geben. Aber Journalismus wird nicht verenden.

Hand

Warum bloggt Benjamin?

Von Benjamin Kloiber

Ich heiße Benjamin Kloiber, bin Politikwissenschaftler und Namensgeber von „Benjamin bloggt“. Ich lebe und werke IN Wien aber FÜR Deutschland und Österreich. Demokratie 4.0 befasst sich mit den Veränderungen, derer die Demokratie in Zeiten der fortschreitenden Digitalisierung unterliegt.

Herausforderungen und Chancen

Und es verändert sich viel. Vor 15 Jahren lasen die Leute Zeitung. Heute beziehen viele Menschen ihre News gefiltert durch Facebook – einer Social-Media-Plattform, die es damals noch nicht einmal gab. War es früher einigen wenigen vorbehalten, ihre Ansichten in ihren eigenen Worten kundzutun, so kann das heute jeder, der Internetzugang hat.

Diese Vielfalt an publizierter Meinung schafft auch eine Vielfalt an Fragen und Bedürfnissen. Das verändert unsere Welt. Sie wird komplexer. Diese Komplexität bietet Chancen und zugleich verängstigt sie die Menschen. Niemand will mit Fragen und Problemen konfrontiert werden, für die man ad hoc keine Lösungen parat hat.

Und eben diesen Anspruch muss die Politik an sich selbst stellen. In einer komplexer werdenden Welt muss die Politik den Menschen Perspektiven anbieten und zeigen, dass sie nicht bloß Getriebene der Begebenheiten ist, sondern auch gestalten kann – und das gemeinsam mit den Menschen.

Darum bloggt Benjamin

Ich oute mich an dieser Stelle als Optimist. Wohl höre ich die Stimmen, die den baldigen Weltuntergang oder gar Schlimmeres postulieren, doch ich bin voller Hoffnung, dass Schwierigkeiten gemeistert werden können. Wir stehen zwar alle vor Herausforderungen, wir alle haben Fragen, wir alle suchen nach Antworten, doch wir alle können politisch partizipieren und gestalten – und uns damit eine bessere Zukunft schaffen.