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I’m a Digital Woman by heart!

Von Doreen Brumme

So. Nun ist es raus. Ich habe mich als Digital Woman geoutet. Und nicht nur das: Ich gebe zu, ich bin herzlich gerne eine sogenannte digitale Frau. Warum ich das bin und was mein Outing mit dem Blog Demokratie 4.0 zu tun hat, das erkläre ich euch im Folgenden.

Hier schreibt eine digital woman on the blog

Das Attribut digital, das ich dem Wort Frau zugeordnet habe, kennzeichnet eine Facette der Rolle, die ich in unserer Gesellschaft erfülle. Es zeigt, dass ich Teil der digitalen Welt bin, weil ich digital lebe. In meinem Fall heißt das konkret: Ich bin Sender und Empfänger digitaler Informationen. Ich habe von mir bezahlbaren Zugang zu digitalen Endgeräten wie Smartphone, Tablet, Laptop, TV, Radio & Spielekonsolen. Ich eigne mir Tag für Tag Wissen im Umgang mit Hard- und Software an und sammle meine Erfahrungen damit.

Ich benutze die digitale Welt zu unterschiedlichen Zwecken: Allen Voran zum Geldverdienen. Aber ich gehe ins Netz auch zur Unterhaltung und zur Entspannung (Stichwort: well-net). Ich verbringe demnach täglich viele Stunden in der digitalen Welt, also online, die meisten davon des Geldverdienens wegen.

Als Großteils Onlinejournalistin und Bloggerin hier und anderswo im Netz bin ich jemand, der zu den Dingen unserer Welt, die längst digital ist, Stellung bezieht. Ich zeige damit, wo ich stehe, welchen Standpunkt ich einnehme. Das ist möglich, weil ich Teil einer Demokratie bin, in der freie Meinungsäußerung zu den höchsten Gütern zählt. Auch unsere Demokratie ist eine zunehmend digitale Sache. Nicht ohne Grund heißt dieser Blog Demokratie 4.0. Demokratie ist eine Sache, die es inzwischen analog wie digital mit Inhalt zu füllen gilt. Die es analog wie digital zu reflektieren und zu diskutieren gilt. Und die es analog wie digital zu erhalten gilt. Von jedem von uns, der dank und mit ihr ein Zuhause hat.

Ich würde deshalb gerne diesen Blog nutzen, um mit euch, Frauen wie Männern, über die Rolle der digitalen Frau im Speziellen – und damit über die Rolle von Frau und Mann in der digitalen Welt – zu diskutieren. Es geht mir dabei unter anderem um Themen wie diese:

  • Digital Divided – wo verläuft die digitale Kluft in der Welt?
  • Demokratie 4.0 – ein Stoff zum Lernen?
  • Facebook & Co. – sind Social Media digitale Mittel zur Selbstbefreiung der Frau?
  • Digitales Leben – wird es mit Digitalität demokratischer?
  • Digitale Sucht – wo beginnt sie?
  • Rushing Woman Syndrom – ist es die Kehrseite der auch digital „befreiten“ Frau?
  • Digitale Mutter – was ist digitale Kompetenz und wie viel davon gebe ich an meine Kinder weiter?

Seid Ihr dabei? Dann will ich zum Einstieg in die kommenden Diskussionen mit dem Thema „Digital Divide“ den aktuellen Status quo in Sachen Internetnutzung weltweit im Allgemeinen und Internetnutzung von Mann und Frau weltweit im Speziellen auf den Blog heben.

Unsere Welt ist digital divided

Mit dem Begriff, der sich mit „digitaler Kluft oder Spaltung“ ins Deutsche übersetzen lässt, wird der ungleiche Zugang verschiedener Bevölkerungsgruppen zu den Informations- und Kommunikationstechnologien beschrieben, der auf den unterschiedlichsten Ebenen auszumachen ist.

Digital Divide auf globaler Ebene

Global betrachtet, gibt es eine solche digitale Kluft zwischen den Industrienationen und den sogenannten Entwicklungsländern. Den Unterschied macht hier einerseits der fehlende Zugang zu den Technologien.

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Quelle: Tortendiagramm von hier: http://www.internetworldstats.com/stats.htm

Folgende Zahlen dazu habe ich im Netz gefunden: Mehr als die Hälfte der Menschen weltweit sei ohne Internetzugang. Das ist das Ergebnis eines von UNESCO und ITU (Internationale Fernmeldeunion in Genf) – der Breitbandkommission für digitale Entwicklung 2016 – veröffentlichten Breitbandberichts 2016. In 91 Ländern weltweit seien demzufolge über 50 Prozent der Bevölkerung online, Tendenz steigend. Die Länder, in denen die meisten Haushalte mit dem Internet verbunden seien, lägen demnach Großteils in Europa. Eine Ausnahme bilde Südkorea als Spitze des Länderranking mit 98,8 Prozent. Es folgten Luxemburg mit 96,8 Prozent, Norwegen mit 96,6 Prozent und Island mit 96,6 Prozent. Deutschland liege mit 90,3 Prozent auf Rang 13. Die niedrigsten Internetnutzungsraten ließen sich laut dem Bericht in Subsahara-Afrika finden. In zahlreichen Ländern würden weniger als drei Prozent der Bevölkerung das Internet nutzen, darunter Tschad (2,7 Prozent), Sierra Leone (2,5 Prozent), Niger (2,2 Prozent), Somalia (1,8 Prozent) und Eritrea (1,1 Prozent).

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Quelle: http://www.itu.int/en/ITU-D/Statistics/Documents/facts/ICTFactsFigures2016.pdf

Die fehlende Verfügbarkeit von für die Internetnutzer relevanten Inhalten macht andererseits den Unterschied aus. Das heißt zum Beispiel, dass Inhalte nicht in der Muttersprache der Nutzer verfügbar sind. Die Kluft resultiert aber auch aus dem Mangel  an Medienbildung, die Voraussetzung dafür ist, dass man bestehende digitale Möglichkeiten überhaupt adäquat nutzen kann.

Digital Divide auf sozialen und regionalen Ebenen

Neben der beschriebenen globalen digitalen Kluft, lassen sich weitere ausmachen, darunter auf

  • sozialer und regionaler Ebene
  • sowie in Bezug auf das Alter und des Geschlechts

Ganz wichtig ist mir, die digitale Kluft nicht nur als ein statisches Ergebnis der Digitalisierung unserer Welt zu betrachten, sondern auch als Ursache fortschreitender Spaltung: Sie führt schließlich zur Vergrößerung bereits bestehender Unterschiede zwischen wirtschaftlich besser gestellten Bevölkerungsgruppen, die in der Tendenz auch einen höheren Bildungsabschluss haben und solchen, die wirtschaftlich schwächer gestellt sind und tendenziell auch einen schlechteren Zugang zu Bildung haben.

Greifen wir uns mal die geschlechtsspezifische Kluft heraus: Das Statistik-Portal statista.de zeigt folgende aktuelle Zahlen für Deutschland:

Internetnutzer nach Geschlecht

Internetnutzer nach Geschlecht für Deutschland

Demnach steigt die Zahl der männlichen wie weiblichen Internetnutzer hierzulande seit Jahren in nahezu einträchtiger Parallelität. Doch wie sieht das in Ländern aus, wo Frauen (noch) nicht die Freiheiten genießen wie wir hier in der demokratischen Bundesrepublik Deutschland?

Dazu schreibt der Breitbandbericht, dass in allen untersuchten Ländern mehr Männer Zugang zum Internet hätten als Frauen. Besonders in Afrika, der arabischen Welt, Asien und den pazifischen Ländern würden demnach weniger Frauen auf Internetressourcen zugreifen, aber auch in Europa lägen die Raten mit 76,3 Prozent bei den Frauen und 82 Prozent bei der männlichen Bevölkerung deutlich auseinander.

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Damit haben wir einen Eindruck davon gewonnen, wie sie so ist – unsere schöne, neue, digitale Welt. Zerklüftet und gespalten, wohin man schaut. Lasst uns nach und nach gemeinsam ergründen, was die Ursachen dafür sind, wie sich die eine oder andere Kluft schließen ließe und was das für die Rolle von digital women hieße.

Ich freue mich auf unseren Austausch!