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Warum arbeiten wir?

Von Benjamin Kloiber

Argumente gegen ein bedingungsloses Grundeinkommen gibt es zuhauf. Manche sind gerechtfertigt, wie der Einwand, dass das Steuersystem von Grund auf überarbeitet werden müsste. Das stimmt. Ob man das schlecht finden muss, ist eine andere Sache. Doch das wohl bekannteste intellektuell ärmste Argument, ist der plumpe Kneipenspruch: Dann gehen die Leute ja nimmer arbeiten! Diese Befürchtung suggeriert, dass es nur einen einzigen Grund gibt, um arbeiten zu gehen: Geld.

Die Studie Wertewelten Arbeiten 4.0 im Auftrag des deutschen Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zeigt, dass es für die Menschen nicht nur diesen einen Grund gibt, zu arbeiten. Leute haben unterschiedliche Werte und lassen sich anhand dieser Studie in 7 Arbeitstypen einteilen:

Die 7 Arbeitstypen

  1. Sorgenfrei von der Arbeit leben können: Arbeit dient dieser Gruppe einzig und allein dem Zweck, ein sorgenfreies und erfülltes Privatleben unterhalten zu können. Etwa 25-30% der Befragten gehören dieser größten Gruppe an. Der Staat hat für sie die Aufgabe, sozial abzusichern. Einem bedingungslosen Grundeinkommen stehen diese Menschen größtenteils positiv gegenüber.
  1. In einer starken Solidargemeinschaft arbeiten: Gegenseitige Loyalität, Teilhabe an der Gesellschaft und Wertschätzung für ihre Leistungen. Das liegt dieser Gruppe besonders am Herzen. Diese 10% spüren eine zunehmende Kluft zwischen Unternehmen und ihren Mitarbeitern. Der Stellenwert der Mitarbeiter hat sich verschlechtert und soziale Netz des Staates ist zu dünn geworden. Diese Menschen sind klar für ein Grundeinkommen.
  1. Den Wohlstand hart erarbeiten: Wer hart genug arbeitet, erreicht auch was. Diese Gruppe von 15% glaubt, durch Arbeit zu Wohlstand zu gelangen. Die klassische Nachkriegsgeneration also. Auf Sozialleistungen legen diese Menschen weniger wert. Ihnen sind Wirtschaftsdaten, wie das BIP und ein Exportüberschuss wichtiger, damit Deutschland seine wirtschaftspolitische Hegemonialstellung nicht gefährdet.
  1. Engagiert Höchstleistung erzielen: Das Motto dieser Gruppe lautet: Leistung um der Leistung willen. Zielstrebigkeit, Flexibilität und Spaß am Stress gehören zu den Eigenschaften jener 10-15%. Diese Menschen fürchten die Digitalisierung nicht. Sie freuen sich auf die neuen Herausforderungen, die dadurch einhergehen. Sie sind zuversichtlich, auch in der neuen Arbeitswelt obenauf zu sitzen – sofern die Rahmenbedingungen es erlauben.
  1. Sich in der Arbeitswelt selbst verwirklichen: Diese Menschen arbeiten nicht, um sich ein erfüllendes Privatleben leisten zu können – sondern die Arbeit ist Teil ihres erfüllten Lebens. Geld um des Geldes Willen oder Aufstieg um des Aufstiegs Willen sind keine Ziele dieser 10%. Sie wollen Flexibilität in jeglicher Hinsicht und legen Wert auf Kinderbetreuungsmöglichkeiten.
  1. Balance zwischen Arbeit und Leben finden: Auch diese Gruppe hebt die Arbeit nicht aufs Podest. Sie sehnt sich nach Gleichgewicht. Arbeit, Familie, Sport, Abendunterhaltung: Alles soll nebeneinander existieren können, ohne einander zu schaden. Der Mensch steht für diese 10-15% im Fokus. Die Wirtschafts- und die Arbeitswelt müssen sich dem Menschen anpassen – und nicht umgekehrt.
  1. Sinn außerhalb seiner Arbeit suchen: Diese Menschen empfinden gemeinnützige Tätigkeit in der Regel sinnstiftender als ihre Erwerbsarbeit. Diese 10-15% engagieren sich für die Gemeinschaft, wie andere in ihrer Arbeit. Diese Gruppe erwartet vom Staat ihren Bürgern ein lebenswertes Leben zu garantieren – unabhängig davon, wieviel Geld jemand verdient. Auch diese Gruppe ist sehr affin mit dem bedingungslosen Grundeinkommen.

Wir arbeiten trotz Grundeinkommen!

Wir wissen nun: Arbeit hat für die Leute einen verschieden hohen Stellenwert. Manche arbeiten, um zu arbeiten. Einige arbeiten, um reich zu werden. Andere arbeiten, um sich selbst zu verwirklichen. Aber – und das ist entscheidend – sie ARBEITEN. Arbeit erfüllt verschiedene Zwecke im Leben verschiedener Menschen. Aber wie wir im oben dargestellten Modell sehen, ist Arbeit (positiver) Teil des Lebens der Menschen. Und daran kann auch ein bedingungsloses Grundeinkommen nichts ändern. Es verhindert nicht, dass Leute arbeiten – es verhindert, dass Leute, die nicht arbeiten (können), zu den Verlierern in unserer Gesellschaft gehören.

Mohn

Postmoderne Politik – unmöglich und leicht zugleich

Von Thomas Nasswetter

„Je tiefer die Politik in die Sackgasse gerät, desto mehr wächst die Zahl der Politiker. Diese Anomalie hört auf eine zu sein, wenn man bedenkt, dass die Politik, im Begriff, sich zu erschöpfen, unmöglich und leicht geworden ist.“

Dieses Zitat ist die Abwandlung eines Aphorismus des rumänisch-französischen Philosophen und radikalen Kulturkritikers E.M. Cioran. Im Original hat Cioran statt der Politik die Kunst als Betrachtungspunkt gewählt. „Je tiefer die Kunst in die Sackgasse gerät, …“.

In seinem düsteren, von Pessimismus geprägten Werk „Vom Nachteil geboren zu sein“, aus dem das originale Zitat stammt und das im Jahre 1973 erschienen ist, bezieht er sich (IMHO) auf die Kunst der Postmoderne, in deren Mittelpunkt die Rekombination oder neue Anwendungen vorhandener Ideen als Triebfeder standen. Das Prinzip der Innovation als Treiber war fast vollständig aus dem Fokus geraten.

Die Digitalisierung kennt kein Erbarmen

Die fortschreitende Digitalisierung der Gesellschaft hat die Politik heute in eine ähnliche prekäre Situation gebracht, wie es die Kunst der Postmoderne war. Nicht mehr die Innovation als Treiber der Erneuerung der Gesamtgesellschaft und Weltgemeinschaft steht im Mittelpunkt des gestaltenden Überlegens. Die Rekombination aus dem Baukasten des Bewährten und Bekanntem, des dabei vielfach Überkommenen und des derweilen hoffnungslos Veralteten bildet das Zentrum des politischen Denkens und Handelns. Das grenzt die Möglichkeit der erzielbaren Fortschritte stark ein – mit gefährlichen Folgen, denn die „Grenzen der Welt“ haben sich durch die Digitalisierung bereits dramatisch verschoben.

Die Lähmung der politischen Klassen

Die rasant fortschreitende Digitalisierung der Gesellschaft und das damit verbundene geänderte Kommunikationsverhalten großer Teile unserer Weltgemeinschat gehen vollkommen am Denken und Handeln der politischen Klassen und Eliten vorbei und zwingen diese dadurch in eine Sackgasse. Nicht die Auseinandersetzung mit den völlig veränderten Spielregeln der Digitalisierung findet statt, sondern schon direkte sichtbare Folgen der Digitalisierung werden aus der Perspektive vergangener Vorgänge und Entwicklungen wahrgenommen und interpretiert und damit vollkommen falsch oder gar nicht verstanden. Diese Tatsache ist aber den Bürgern_Innen, im Gegensatz zu vielen Politiker_Innen, nicht verborgen geblieben.

Abgeschottete Teilöffentlichkeit als Folge der Digitalsierung

Die Angst vor dem beginnenden Abstieg, die viele Menschen der Mittelschicht spüren, kann als eine Folge der Digitalisierung interpretiert werden. Das abgesicherte Eingebettet-Sein in seine Kohorte und Schicht beginnt, durch die sich immer schneller verändernde Arbeitswelt und eine neue multiple mediale Verbundenheit (Polyphone Kommunikation) mit den Mitmenschen, zu erodieren. Diese Entwicklung wird durch eine digitale Zugehörigkeit in Facebook Echokammern, WhatsApp Gruppen und Instagram Blasen befeuert. Die Welt wird immer mehr aus den Blickwinkeln der eigenen oder artverwandter Überzeugungen, unabhängig einer Faktenlage, wahrgenommen. Es ist leicht geworden, seine eigene, enge „Mitte der Herde“ und damit Zugehörigkeit zu einer Gruppe abseits einer vielfältigen Außenwelt zu kreieren. Es ist unglaublich leicht, ein Gefangener seiner kleinen Teilöffentlichkeit zu sein. Pluralität als gesellschaftliches Prinzip ist obsolet geworden. Die Auseinandersetzung mit fremdem Gedankengut wird teilweise oder ganz abgelehnt und diese Ablehnung wird immer öfter auf rohe oder gewalttätig verbale Weise öffentlich im Netz oder auch in der Realität, zum Beispiel durch die Bewegung der Reichsbürger, demonstriert.

Auch die Flüchtlingsbewegung nach Europa kann als eine Folge der Digitalisierung begriffen werden, denn die digitalen Medien ermöglichen es, Menschen aus aller Welt einen tiefen Einblick in die Gesellschaften der 1. Welt zu erhalten. Inklusive aller damit verbundenen falschen Vorstellung und Vorurteile, die durch Medienkonsum entstehen. Anders ausgedrückt: Afrika und Asien rücken emotional-sehnsüchtig an Europa heran, weil es hier Freiheit, Friede, scheinbar uneingeschränkten Konsum und damit gute Aussichten auf ein besseres und sicheres Leben gibt.

Undemokratische Digitale Supermächte und bedingungsloses Grundeinkommen

Während die Arbeitsplatzvernichtungsmaschinen der Digitalen Supermächte [1] weiter exorbitant wachsen und dabei unfassbare und unproduktive Vermögen auf sich vereinigen, sieht eine knappe Mehrheit der deutschen Bevölkerung das bedingungslose Grundeinkommen [2] als eine Hoffnung für ein zukünftig friedliches und halbwegs sorgenfreies Zusammenleben. Aber weder das eine noch das andere Thema stehen auf der Agenda der derzeitigen Wahlkämpfe (2017) in Deutschland und Österreich.

Schweiz [3] und Finnland [4] sind hier deutlich weiter, zumindest beim Grundeinkommen. Bei den Digitalen Supermächten, scheint Europa als ganzes die Augen zu verschließen und ist nicht fähig, auch nur im Ansatz die Vision für eine demokratische Lösung zu entwickeln. Vielleicht: In liberale Wirtschaftssysteme passen keine Open Souce Projekte! Schade, denn hier wird eine große Chance vertan.

Bei den Digitalen Supermächten sehe ich persönlich eines der größten Probleme für die demokratische Entwicklung dieses Kontinents heraufziehen.

Die demokratische Politik ist in der Sackgasse

Die demokratische Politik steckt also in der selbstverschuldeten Sackgasse und nur mehr disruptive und/oder subversive populistische Elemente wie der Front National, die AfD, Trump, Orban oder in gewisser Hinsicht auch Marcon scheinen für weite Teile der Bevölkerung „Erlösung“ bringen zu können. Dabei darf es nicht um Erlösung gehen, sondern es muss ein mutiger Aufbruch in eine völlig neue Welt werden.

Die Welt muss wieder praktizierbar werden

Eine breite und in die Tiefe gehende Diskussion zur Digitalisierung über alle gesellschaftlichen Strömungen hinweg wäre bitter nötig. Die sich rasend schnell verändernde Welt muss für die Menschen wieder fassbar und Leben in dieser Welt praktizierbar werden. Dazu muss sich die Politik (die Politiker_Innen) aus ihrem derzeitigen Kokon befreien und sich endlich, viel zu spät, die dazu nötigen Kompetenzen aneignen. Auch wenn es für viele schwierig erscheint und sicherlich mühsam ist. „Digitalisierung ist entschieden mehr als Facebook, Google und Industrie 4.0“ – das bin ich an dieser Stelle versucht den Politiker_Innen zuzurufen.

Abgrenzung statt Konsens

Derzeit beherrschen Unzufriedenheit, Unbehagen, Fassungslosigkeit, Pessimismus, Teilnahmslosigkeit, Ohnmacht oder Wut die Stimmung in vielen gesellschaftlichen Schichten. Egoismus und die Tendenz zur persönlichen Abschottung, befeuert durch eine scheinbar grenzenlose Kommunikation mittels digitaler Devices und lösen immer mehr persönliche Beziehungen und damit stabile Bindungselemente zu einer Gesamtgemeinschaft ab. Grenzenloser Opportunismus wird als Lebensprinzip akzeptiert und in den Karrierekolumnen der Samstagsausgaben „heilig“ gesprochen. Die beliebte Wertediskussion (Christliche Werte) übernimmt meiner Meinung nach die Rolle einer Scheindiskussion und dient hauptsächlich dazu, sich gegenüber den auf dieser Welt zu kurz Gekommenen abzugrenzen und insgeheim zu hoffen, nicht zu diesen abzusteigen.

Soziale Medien als Verstärker

Die „politische Äußerung an sich“ hat durch die Wirkungsmacht der Sozialen Medien eine neuen Stellenwert erhalten, die es jedem Einzelteil der Gesellschaft, ob begabten oder talentlos, reflektiert oder dumm, feinsinnig oder grobschlächtig, punktuell erlaubt, einen reflexiven Widerhall in einer breiten Masse zu finden. Virale Effekte können dann zu Eruptionen in den Sozialen Medien führen und das aktuelle Meinungsbild der Gesellschaft kurzfristig prägen. Wer sich mit chaotischen Systemen befasst, kennt die Mechanismen, die diese „Zufälligkeiten“ bewirken können – sie sind schlecht oder gar nicht zu kontrollieren. Resilienz ist eine erfolgreiche Eigenschaft von Systemen damit umzugehen.

Das „15 Minutes of Fame“ Prinzip hat in die Politik Einzug gehalten und wird aktuell durch die totgeweihten klassischen Massenmedien noch verstärkt. Marshall McLuhan lässt grüßen. Die Zahl der „Politiker“ ist damit unüberschaubar geworden – jeder kann offenbar „leicht“ Politik machen. Die Piratenpartei, Peppe Grillo, Felix Baumgartner oder Andreas Gabalier sind Beispiele für diese Entwicklung.

Die Möglichkeit, Politik zu machen ist damit nahezu grenzenlos und leicht geworden – aus der Perspektive des medial erzielbaren Echos betrachtet. Aus der Perspektive des „faktisch politisch Durchsetzbaren“ ist Politik aber gleichzeitig unmöglich geworden. Einen breiten Konsens zu finden in einer von multiplen, pluralistischen, höchst variablen und teilweise chaotischen Interessenslagen geprägten Gesellschaft ist praktisch nicht mehr gegeben. Nur mehr die Zuspitzung, die Polarisierung verspricht politische Erfolge, wenn auch nur mehr sehr kurzfristige.

Das Ende der Postmoderne

Deshalb ist des dringend nötig, dass sich die Politiker_Innen dem Thema Digitalisierung der Gesellschaft annehmen und es ganz oben auf die Agenda setzen. Sie werden sich auch persönlich damit auseinandersetzen müssen und sie werden dabei erkennen, wie viel weiter die Bürger_innen bei der Digitalisierung sind, als sie selbst. Sind sie doch derzeit gefangen in einer Blase Namens Politik.

Die Beschäftigung mit dem digitalen Wandel darf sich dabei nicht nur auf wirtschaftliche und industrielle Belange beschränken. Der Fokus muss auf den Wandel hin zu einer globalen und vollständig durchdigitalisierten Weltgesellschaft gelegt werden. Alles andere ist vermutlich zu eng gefasst. Das entspricht zwar nicht meiner Wunschvorstellung, aber letztlich fehlt es mir derzeit an vernünftigen und durchdenkbaren Alternativen. Technische Fortschritte haben sich in der Moderne, die eine Weltkultur geschaffen hat, als unumkehrbar erwiesen. Einzig eine Katastrophe globalen Ausmaßes könnte das ändern. </irony off>

Diese neue Weltgesellschaft darf ausschließlich auf demokratischen und in keiner Weise auf autokratischen Grundlagen und Prinzipen fußen. Absolute Transparenz politischer Entscheidungen ist dazu eine wichtige Grundvoraussetzung und die entscheidende Ausgangsbasis für die Digitalisierung der postmodernen Demokratie.

Es wird Zeit für die aktuelle Politik, die Postmoderne hinter sich zu lassen und innovativ in Hinblick auf die Digitale Gesellschaft zu arbeiten!

 

Quellen:

[1] https://demokratie4punkt0.de/digitale-supermaechte-sind-wir-in-zukunft-die-verlierer/

[2] http://www.finanzen.net/nachricht/private-finanzen/studie-belegt-die-deutschen-wollen-das-bedingungslose-grundeinkommen-5342469

[3] https://www.nzz.ch/schweiz/volksabstimmung-vom-5-juni-das-grundeinkommen-auf-einen-blick-ld.14519

[4] http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/finnland-testet-bedingungsloses-grundeinkommen-von-560-euro-14594377.html

Fruechte

Zivilcourage: Wie mutig und verantwortungsvoll sind wir?

Von Maria Nasswetter

Sie kennen bestimmt folgendes Phänomen. Sie sind Fußgänger und stehen mit anderen Passanten an einer roten Ampel. Es kommt weit und breit kein Auto. Sie übernehmen für sich die Verantwortung und machen den ersten Schritt. Sie gehen also bei rot über die Straße weil es ihnen doof vorkommt nur da zu stehen und (unnötig) zu warten. Eines muss dabei allerdings klar sein. Sie verstoßen damit gegen die Straßenverkehrsordnung und es kann sie etwas kosten, wenn Sie von einem Polizisten erwischt werden. Sie müssen sich dabei auch im Klaren sein, dass Sie die Situation vielleicht nicht gut genug abschätzen und sich in eine mögliche Gefahr begeben. Und sie werden von der Umwelt wahrgenommen. Das bedeutet, dass andere Verkehrsteilnehmer auf ihr Handeln reagieren. Es wird bestimmt der ein oder andere nun auch die Straße mit Ihnen oder unmittelbar danach die Straße queren. Befinden sich Kinder, noch dazu ohne Begleitung am Straßenrand sollten Sie gut überlegen, was Sie tun.

Diskussion mit einem couragierten Polizisten

Ich wurde als Jugendliche von einem Polizisten ermahnt, als er mich dabei beobachtete, wie ich die Straße bei rot überquerte. Er sagte, ich müsse für meinen Verkehrsübertritt zahlen. Ich begann mit ihm zu diskutieren. Mein Argument damals war, dass ich nur deshalb bei rot losgegangen sei, da die Kreuzung übersichtlich war und daher gänzlich ungefährlich erschien, diese in dem Augenblick zu überqueren. Er erwiderte, dass ich aber Vorbildwirkung haben müsse. Wenn nun ein Kind mich gesehen hätte, würde es vielleicht das nächste Mal auch bei Rot über die Ampel gehen und die Folgen könnten fatal sein. Ich konterte, dass es aber schlecht sei, wenn wir und Kinder miteingeschlossen, darauf konditioniert werden, bei grün zu gehen und bei rot stehen zu bleiben. Wir würden so dazu tendieren, mehr der Technik als dem eigenem Wahrnehmen zu vertrauen. Denn jeder macht auch Fehler im Straßenverkehr und kann etwas übersehen. Also ist es gut, sich immer selbst zu vergewissern ob das Vorgeschriebene auch sinnvoll erscheint. Er ließ sich tatsächlich davon überzeugen und ich musste kulanterweise nichts bezahlen. Das rechne ich dem Ordnungshüter hoch an. Denn auch er hätte auf sein Recht pochen können ungeachtet seiner Überzeugung. Das bringt mich zum eigentlichen Thema, der Zivilcourage und der Eigenverantwortlichkeit.

Zivilcourage – die Eigenverantwortung im Alltag

Mit offenem Blick durchs Leben gehen und in Kontakt mit den anderen Alltagsteilnehmern treten. Das ist eine Voraussetzung um mitzubekommen, was rund um einen geschieht. Sie mögen vielleicht denken, gut und schön. Aber Sie haben so viel mit sich zu tun, mit Dingen, die gelöst und getan werden müssen. Das sind die Anderen auf der Straße, in der U-Bahn oder im Einkaufcenter nebensächlich. In gewisser Weise ist es zweckdienlich, nicht alles und jedes und permanent was uns umgibt, aufzunehmen. Denn wir müssen handlungsfähig bleiben und Dinge auch ausblenden. Dennoch sollte eine Mindestwahrnehmung der Umgebung vorhanden sein. Weil wir Teil aller Anwesenden sind und jederzeit mitgestalten können und sollen.

Die Demokratie reift bereits im Mikrobereich

Sie stört etwas. Bleiben wir im Straßenverkehr. Gerade im Sommer lassen einige Autofahrer gerne im Stand den Motor laufen. Das oft über 10 Minuten lang. Sie schädigen sich in erster Linie selbst damit und wissen es vermutlich gar nicht. Sie sind diejenigen, die die schädlichen Abgase am direktesten abbekommen. Darüberhinaus ist es für alle anderen Menschen in ihrer Umgebung gesundheitsgefährdend und zudem störend.

Nur ärgern oder versuchen aus der Not eine Tugend zu machen

Sie haben die Wahl. Sie können den soeben beschriebenen Umstand ignorieren, sie können sich still und heimlich ärgern oder sie können Zivilcourage zeigen und den Verursacher zur Rede stellen. Im besten Fall gelingt es ihnen, ihn zur Einsicht zu bringen, aber so, dass er und sie den kurzen Diskurs in angenehmer Weise erleben.

Alltagsdiplomatie ist das Zauberwort

Wie durchaus beglückend kann ein Umstand sein, der unangenehm beginnt und sich in Wohlgefallen für alle Beteiligten auflöst. Setzen Sie Ihren Charme ein. Lächeln Sie während Sie dem Gegenüber bitten, den Motor abzustellen. Weisen Sie ihn darauf hin, dass sie sich auch um seine Gesundheit sorgen. Und vor allem. Meinen Sie was Sie sagen. Sollte es beim ersten Mal nicht so klappen, dann kann man das üben bei vielen Gelegenheiten üben. Sie üben diplomatisch zu handeln. Dieses Wissen können Sie zudem beruflich nutzen.

Sind beide Handlungspartner zufriedengestellt lässt es sich besser leben.

 

 

 

Geschlossen

Das bedingungslose Grundeinkommen – Teil 1

Von Maria Nasswetter

Wir sollten bedenken, dass das menschliche Interagieren und Gesellschaft an sich hochkomplex und extrem vielschichtig sind. Im Alltag müssen wir die Dinge einfacher fassen, sonst wären wir nicht handlungsfähig. Müssten wir uns ständig vor Augen halten, das etwas so und so und nochmals anders sein kann, könnten wir keine Entscheidungen treffen. 

Die Soziologie befasst sich mit dem Zusammenleben der Menschen

Als Soziologin ist man sich dieser äußersten Komplexität bewusst. Daher gibt es für die Soziologie nicht ein oder das Modell für ein Problem. Vielmehr weiß sie, dass es unterschiedliche Ansätze und Betrachtungsweisen geben muss. Auch ist derjenige, der ein Feld beobachtet mehr oder weniger Teil der Betrachtung, die er anstellt. Das verzerrt und macht alles nicht gerade einfacher. Wissen erlangt die Soziologie zunächst über einen möglichst unbeeinflussten Blick auf den Gegenstand, der zu erforschen ist. Dann wird das so Erforschte mit bereits vorhandenem Wissen verknüpft und daraus die Schlüsse gezogen.

Start der Serie zum bedingungslosen Grundeinkommen

Mit diesem Beitrag auf Demokratie 4.0 startet eine Serie, die das sehr dringliche Thema des bedingungslosen Grundeinkommens zum Inhalt haben wird.

Die Autorin lässt die Leser an ihren Überlegung teilhaben. Sie wird sich im Laufe der Zeit immer tiefer in die Materie begeben. Es ist ihr ein Anliegen sich näher damit auseinanderzusetzen und den soziologischen Blick darauf zu werfen. Diese Serie wird in nachvollziehbarer Weise Gedanken und Fakten vermengen und in Form von Artikeln wiedergeben.

Das Wissen der Soziologie wird auf Demokratie 4.0 einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Die Autorin ist bestrebt, einer möglichst breiten Öffentlichkeit Wissen im Allgemeinen und Wissen aus der Soziologie zugänglich zu machen. Daher wird sie nicht für ihre Fachkollegen schreiben, sondern für Menschen, die interessiert an ihrer Umwelt und dem Geschehen sind und mehr verstehen wollen von dem, was um sie herum passiert.

Ein Grundbegriff der Soziologie: Sozialer Wandel

Ein Grundbegriff in der Soziologie ist der soziale Wandel. Bezeichnet werden damit Veränderung auf der sozialen Ebene, also dem Miteinander der Menschen. Diese Veränderungen passieren schleichend, plötzlich und permanent mehr oder weniger stark. Technische Weiterentwicklungen, Lernprozesse, Gegebenheiten, Naturereignisse, auf die reagiert werden muss, politische Entwicklungen und vieles mehr treiben diesen Wandel voran. Klug ist es, wenn sich Gesellschaften diesem Wandel stellen, indem sie aktiv in einer möglichst rationalen und demokratischen Weise die neuen Aufgaben zu meistern gewillt sind.

Prozesse der Arbeit sind immer soziale Prozesse

Das bedeutet, dass Arbeit auch das Miteinander der Menschen gestaltet. Daraus bilden sich Hierarchien, Widersprüchlichkeiten und vieles mehr. Die aktuelle Wirtschaftsdynamik, technische Machbarkeit und Umwelteinflüsse gestalten unter anderem unsere Erwerbsarbeit. Unter Erwerbsarbeit fallen alle Tätigkeiten, die von den Gesellschaftsmitgliedern ausgeführt werden. Die Erwerbsarbeit dient hauptsächlich dazu, den eigenen Lebensunterhalt zu verdienen.

Das bedingungslose Grundeinkommen ist…

Unter bedingungslosem Grundeinkommen versteht man einen regelmäßigen Geldbetrag, der Mitgliedern einer bestimmten Gruppe, Gesellschaft zur Verfügung gestellt wird. Diese Zahlung erfolgt ohne Verknüpfung mit einer Gegenleistung, die dafür erbracht werden muss.

Grob gesagt wird der Vorteil darin gesehen, dass die Existenz aller Gesellschaftsmitglieder gesichert wird. So kann jeder Einzelne seine Fähigkeiten einsetzen und selber bestimmen, was und wieviel jeder arbeitet. Es kann aber auch sein, dass eine gewisse Orientierungslosigkeit für manche durch den Mangel an Arbeitsdruck entsteht. Oder aber es schlichtweg kein Interesse mehr an Arbeit und somit der Beteiligung an Gesellschaft vorhanden. Das und noch vieles vieles mehr wird diskutiert, überlegt und beschrieben.

Daher folgen auf Demokratie 4.0 in weiteren Artikeln die unterschiedlichsten Aspekte zu diesem brisanten Thema des bedingungslosen Grundeinkommens.