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Dornen

„Aus großer Macht folgt große Verantwortung“

Von Benjamin Kloiber

Diesen Spruch trichterte Onkel Ben seinem nerdigen Neven Peter Parker immer wieder ein. Als dieser später im schicken rotblauen Einteiler Verbrecher jagte, beherzigte er diesen Leitspruch stets. Angesichts der neuen Geschäftszahlen von Facebook, möchte man auch Mark Zuckerberg diesen Satz zurufen.

Facebook wird mächtiger

Um satte 77% steigerte das Unternehmen seinen Gewinn. Das sind 3 Milliarden Dollar mehr als im Vorjahr. Unglaublich aber wahr: Diese Wertsteigerung resultiert fast ausschließlich aus der eingeblendeten Werbung auf Smartphones und Tablets, wegen denen ich zweimal die Woche vor Ärger in Hysterie verfalle.

Facebooks Kapital sind Daten. Unser aller Daten. Informationen die wir zur Verfügung stellen, durch ein „Teilen“, ein „Gefällt mir“ oder auch nur einen Klick mit der Maustaste. Wir genießen das. Wir loggen uns ein und sehen Beiträge und Nachrichten, die dank dem berühmtberüchtigten Facebook-Algorithmus auf uns persönlich abgestimmt sind.

Facebook ist heute mehr als eine Plattform, in der man sich mit Freunden vernetzt. Es übernimmt journalistische Aufgaben, in dem es Informationen filtert. Eine komplexe Welt soll für uns vereinfacht dargestellt werden. Es jongliert mit Bällen in sämtlichen Farben, wirft uns aber nur einen zu.

2 Milliarden Nutzer – eine Firma

Die Tatsache, dass 2 Milliarden Leute und damit quasi die gesamte westliche Welt diese Plattform nutzt, darf über eines nicht hinwegtäuschen: Facebook ist viel – aber nicht demokratisch. Die Daten von 2 Milliarden Menschen gehören nicht uns allen. Sie gehören EINER Firma. Eine Firma, die daraus gigantischen Wert generiert. Eine Firma, hinter deren Namen einige wenige Köpfe entscheiden. Eine digitale Supermacht, die eine Entwicklung vorantreibt, an der wir alle noch viel zu wenig aktiv teilhaben.

Orchidee

Digitale Supermächte – Sind wir in Zukunft die Verlierer?

Von Thomas Nasswetter

„Also der technische Fortschritt ist der einzige Fortschritt in der Geschichte der Menschheit, der irreversibel ist, also unaufhaltsam und nicht rückdrehbar. Und dieser technische Fortschritt wird ja nicht auf demokratischem Wege erzeugt, indem die Leute alle sich zusammensetzen und darüber nachdenken oder wählen oder abstimmen, welchen technischen Fortschritt sie wollen und welchen sie nicht wollen, welche Menschheitsprobleme sie gelöst haben wollen und welches für sie gar keine sind. Das findet ja nicht statt, sondern der technische Fortschritt wird von kommerziellen Unternehmen vorangetrieben. Und diese kommerziellen Unternehmen bekommen eine irrsinnige Macht und Kontrolle natürlich dadurch, dass sie die ganzen Daten der Menschen bekommen und vieles andere mehr. Es entstehen digitale Supermächte, und diese digitalen Supermächte, denen kann völlig egal sein, wer unter ihnen in Deutschland Bundeskanzler ist oder amerikanischer Präsident.“ Richard David Precht in einem Interview mit dem Deutschlandfunk am 01. Mai 2017.

Denkt man diese Aussage ein wenig weiter, dann wird klar, dass fast alle Menschen auf diesem Planeten letztendlich auf der Seite der Verlierer stehen werden. Es läuft alles darauf hinaus, dass am Ende ganz wenige riesengroße Unternehmen den technologischen Fortschritt in einer „durchdigitalisierten“ Welt bestimmen und damit letztlich die Macht haben. Diese entziehen sich heute schon nach Möglichkeit der demokratischen (staatlichen) Kontrolle, verschleiern ihre Finanzen, um möglichst keine Steuern zu zahlen oder versuchen zumindest politische Entscheidungen in ihrem Sinne zu beeinflussen.

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Vergleich mit Zahlen aus 2016: Bruttosozialprodukt verschiedener europäischer Staaten und Marktwert der zehn größten Unternehmen in Milliarden Euro. (Quelle: eigene Recherche)

Digitale Supermächte sind keine großen Arbeitgeber

Sieht man sich dann die Mitarbeiterzahlen der größten drei Unternehmen an, dann wird noch eines auffällig: Die wertvollsten drei Unternehmen der Welt – alle aus der Digitalbranche – beschäftigen zusammen nicht einmal 300.000 Mitarbeiter. Das sind deutlich weniger, als der VW-Konzern Mitarbeiter zählt. Die „Digitale Dividende“ ist also bisher nur ganz wenigen zugute gekommen und ausschließlich US-amerikanischen Unternehmen.

Das ist jetzt kein Aufruf zum Klassenkampf im marxistischen Sinne, wo Produktionsmittel durch Kommunikationsmittel abgelöst wurden, aber es muss uns als mündige Bürgerinnen und Bürger zu denken geben. Nachdenken, Lösungen suchen und dann Handeln – das ist die einzige Option.

Diese einfache (vielleicht auch etwas zu einfache?!) Statistik zeigt, dass es selbst mittelgroßen Länder schwer fällt, mit globalisierten Unternehmen „mitzuhalten“. Selbst das reiche und hochindustrialisierte Österreich mit seinen 8,7 Millionen Einwohnern findet nur einen Platz zwischen einem Finanzriesen und dem Social-Media Konzern Facebook.

Die Liga der digitalen Supermächte

Die Bevölkerung der ersten und zweiten Welt hat sehr stark zu diesem dargestellten Bild beigetragen, denn die Digitalisierung des „Privaten“ hat erst Unternehmen wie Apple (gegründet 1976), Alphabet (Google, gegründet 1998) oder Facebook (gegründet 2004) in diese Liga der digitalen Supermächte katapultiert. Es war nicht eine Industrielle Revolution, sondern die tägliche Bequemlichkeit und die scheinbare Erweiterung der eigenen Kommunikationsfähigkeit, die zum Sieg digitaler Unternehmen geführt hat. Facebook hat vom Startup zum sechstwertvollsten Unternehmen gerade einmal 13 Jahre gebraucht. Derzeit kommunizieren weltweit 1,7 Milliarden Menschen über dieses soziale Netzwerk. Solche globalen Entwicklungen waren zur Zeit der industriellen Revolution nicht möglich.

Das einzig gute daran ist, dass diese Unternehmen in einer unglaublichen Abhängigkeit von zahlungskräftigen Konsumenten sind. Wobei klar sein muss, dass alle diese Unternehmen auch Banken im weitesten Sinne sind, die so ganz nebenbei im Bereich der Finanzspekulation tätig sind, um den eigenen Reichtum auch noch auf dieser Seite zu vergrößern.

Klare Grenzen sind nötig

Da Unternehmen funktionieren wie Unternehmen eben funktionieren – nämlich gewinnorientiert – und dabei alle gesetzlichen Grenzen ausloten (das schreiben ihnen schon die Aktionäre vor), wird es nötig sein, diesen digitalen Supermächten klare Grenzen (klar im Sinne einer durch und durch demokratischer Gesellschaften) zu setzen. Beispiele wie in Russland, Türkei, China oder auch in Polen zeigen, dass von der Politik unabhängige digitale Massenkommunikation langfristig jedem autoritären Regime zugegen läuft und deshalb behindert wird.

Gleichgeschaltete Medien hingegen dienen nur mehr Propagandazwecken der jeweiligen Machthaber. Und noch eine oft übersehene Möglichkeit: Dieselben Medien werden aber von diesen Regierungen benutzt, um in demokratischen Ländern Propaganda zu betreiben, mit dem Ziel, demokratische Prozesse zu beeinflussen oder zu zerstören. Dafür gibt es mittlerweile unzählige Beispiele.

Open Source als demokratische Alternative

Wir müssen uns also darüber im Klaren sein, das demokratische Rechte immer über allen Unternehmenszielen stehen und wir müssen dafür globale Regeln und Strukturen schaffen, damit die demokratische Gesellschaft ein Verschwinden, eine Erpressung, eine feindliche Übernahme oder ein Versagen eines dieser großen Unternehmen schadlos verkraften kann. Was wäre nur, wenn Google, Apple und Facebook beschließen würden, ihre Dienste im nächsten Augenblick einzustellen – vielleicht weil sie von einer finsteren Hackertruppe übernommen wurden? Vielleicht sollte die Politik einmal darüber nachdenken, eine (europäische) Alternative zu Facebook, Apple oder Microsoft auf Open Source Basis zu etablieren. Diese Alternative muss als System gegenüber Manipulationsversuchen sehr resilient, gleichzeitig unabhängig von staatlichen Zugriffen sein und ähnlich wie das Internet selbst funktionieren.

Alleine durch so einen Impuls auf gesetzlicher Ebene, das „zu große“ Player verhindert und auf eine große Community an freien und freiwilligen Entwicklern zurückgreift, könnte eine demokratisch deutlich besser legitimierte Kommunikationsinfrastruktur geschaffen werden, als es sie derzeit gibt.

Natürlich lassen sich an dieser Stelle viele Fragen noch nicht beantworten. Aber es wird sich ähnlich verhalten, wie mit dem bedingungslosen Grundeinkommen. Irgendwann muss man ernsthaft darüber nachdenken und Lösungen suchen. Das Spielfeld dazu bereitet aber immer die Politik.

Kopf-Bluete

I’m a Digital Woman by heart!

Von Doreen Brumme

So. Nun ist es raus. Ich habe mich als Digital Woman geoutet. Und nicht nur das: Ich gebe zu, ich bin herzlich gerne eine sogenannte digitale Frau. Warum ich das bin und was mein Outing mit dem Blog Demokratie 4.0 zu tun hat, das erkläre ich euch im Folgenden.

Hier schreibt eine digital woman on the blog

Das Attribut digital, das ich dem Wort Frau zugeordnet habe, kennzeichnet eine Facette der Rolle, die ich in unserer Gesellschaft erfülle. Es zeigt, dass ich Teil der digitalen Welt bin, weil ich digital lebe. In meinem Fall heißt das konkret: Ich bin Sender und Empfänger digitaler Informationen. Ich habe von mir bezahlbaren Zugang zu digitalen Endgeräten wie Smartphone, Tablet, Laptop, TV, Radio & Spielekonsolen. Ich eigne mir Tag für Tag Wissen im Umgang mit Hard- und Software an und sammle meine Erfahrungen damit.

Ich benutze die digitale Welt zu unterschiedlichen Zwecken: Allen Voran zum Geldverdienen. Aber ich gehe ins Netz auch zur Unterhaltung und zur Entspannung (Stichwort: well-net). Ich verbringe demnach täglich viele Stunden in der digitalen Welt, also online, die meisten davon des Geldverdienens wegen.

Als Großteils Onlinejournalistin und Bloggerin hier und anderswo im Netz bin ich jemand, der zu den Dingen unserer Welt, die längst digital ist, Stellung bezieht. Ich zeige damit, wo ich stehe, welchen Standpunkt ich einnehme. Das ist möglich, weil ich Teil einer Demokratie bin, in der freie Meinungsäußerung zu den höchsten Gütern zählt. Auch unsere Demokratie ist eine zunehmend digitale Sache. Nicht ohne Grund heißt dieser Blog Demokratie 4.0. Demokratie ist eine Sache, die es inzwischen analog wie digital mit Inhalt zu füllen gilt. Die es analog wie digital zu reflektieren und zu diskutieren gilt. Und die es analog wie digital zu erhalten gilt. Von jedem von uns, der dank und mit ihr ein Zuhause hat.

Ich würde deshalb gerne diesen Blog nutzen, um mit euch, Frauen wie Männern, über die Rolle der digitalen Frau im Speziellen – und damit über die Rolle von Frau und Mann in der digitalen Welt – zu diskutieren. Es geht mir dabei unter anderem um Themen wie diese:

  • Digital Divided – wo verläuft die digitale Kluft in der Welt?
  • Demokratie 4.0 – ein Stoff zum Lernen?
  • Facebook & Co. – sind Social Media digitale Mittel zur Selbstbefreiung der Frau?
  • Digitales Leben – wird es mit Digitalität demokratischer?
  • Digitale Sucht – wo beginnt sie?
  • Rushing Woman Syndrom – ist es die Kehrseite der auch digital „befreiten“ Frau?
  • Digitale Mutter – was ist digitale Kompetenz und wie viel davon gebe ich an meine Kinder weiter?

Seid Ihr dabei? Dann will ich zum Einstieg in die kommenden Diskussionen mit dem Thema „Digital Divide“ den aktuellen Status quo in Sachen Internetnutzung weltweit im Allgemeinen und Internetnutzung von Mann und Frau weltweit im Speziellen auf den Blog heben.

Unsere Welt ist digital divided

Mit dem Begriff, der sich mit „digitaler Kluft oder Spaltung“ ins Deutsche übersetzen lässt, wird der ungleiche Zugang verschiedener Bevölkerungsgruppen zu den Informations- und Kommunikationstechnologien beschrieben, der auf den unterschiedlichsten Ebenen auszumachen ist.

Digital Divide auf globaler Ebene

Global betrachtet, gibt es eine solche digitale Kluft zwischen den Industrienationen und den sogenannten Entwicklungsländern. Den Unterschied macht hier einerseits der fehlende Zugang zu den Technologien.

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Quelle: Tortendiagramm von hier: http://www.internetworldstats.com/stats.htm

Folgende Zahlen dazu habe ich im Netz gefunden: Mehr als die Hälfte der Menschen weltweit sei ohne Internetzugang. Das ist das Ergebnis eines von UNESCO und ITU (Internationale Fernmeldeunion in Genf) – der Breitbandkommission für digitale Entwicklung 2016 – veröffentlichten Breitbandberichts 2016. In 91 Ländern weltweit seien demzufolge über 50 Prozent der Bevölkerung online, Tendenz steigend. Die Länder, in denen die meisten Haushalte mit dem Internet verbunden seien, lägen demnach Großteils in Europa. Eine Ausnahme bilde Südkorea als Spitze des Länderranking mit 98,8 Prozent. Es folgten Luxemburg mit 96,8 Prozent, Norwegen mit 96,6 Prozent und Island mit 96,6 Prozent. Deutschland liege mit 90,3 Prozent auf Rang 13. Die niedrigsten Internetnutzungsraten ließen sich laut dem Bericht in Subsahara-Afrika finden. In zahlreichen Ländern würden weniger als drei Prozent der Bevölkerung das Internet nutzen, darunter Tschad (2,7 Prozent), Sierra Leone (2,5 Prozent), Niger (2,2 Prozent), Somalia (1,8 Prozent) und Eritrea (1,1 Prozent).

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Quelle: http://www.itu.int/en/ITU-D/Statistics/Documents/facts/ICTFactsFigures2016.pdf

Die fehlende Verfügbarkeit von für die Internetnutzer relevanten Inhalten macht andererseits den Unterschied aus. Das heißt zum Beispiel, dass Inhalte nicht in der Muttersprache der Nutzer verfügbar sind. Die Kluft resultiert aber auch aus dem Mangel  an Medienbildung, die Voraussetzung dafür ist, dass man bestehende digitale Möglichkeiten überhaupt adäquat nutzen kann.

Digital Divide auf sozialen und regionalen Ebenen

Neben der beschriebenen globalen digitalen Kluft, lassen sich weitere ausmachen, darunter auf

  • sozialer und regionaler Ebene
  • sowie in Bezug auf das Alter und des Geschlechts

Ganz wichtig ist mir, die digitale Kluft nicht nur als ein statisches Ergebnis der Digitalisierung unserer Welt zu betrachten, sondern auch als Ursache fortschreitender Spaltung: Sie führt schließlich zur Vergrößerung bereits bestehender Unterschiede zwischen wirtschaftlich besser gestellten Bevölkerungsgruppen, die in der Tendenz auch einen höheren Bildungsabschluss haben und solchen, die wirtschaftlich schwächer gestellt sind und tendenziell auch einen schlechteren Zugang zu Bildung haben.

Greifen wir uns mal die geschlechtsspezifische Kluft heraus: Das Statistik-Portal statista.de zeigt folgende aktuelle Zahlen für Deutschland:

Internetnutzer nach Geschlecht

Internetnutzer nach Geschlecht für Deutschland

Demnach steigt die Zahl der männlichen wie weiblichen Internetnutzer hierzulande seit Jahren in nahezu einträchtiger Parallelität. Doch wie sieht das in Ländern aus, wo Frauen (noch) nicht die Freiheiten genießen wie wir hier in der demokratischen Bundesrepublik Deutschland?

Dazu schreibt der Breitbandbericht, dass in allen untersuchten Ländern mehr Männer Zugang zum Internet hätten als Frauen. Besonders in Afrika, der arabischen Welt, Asien und den pazifischen Ländern würden demnach weniger Frauen auf Internetressourcen zugreifen, aber auch in Europa lägen die Raten mit 76,3 Prozent bei den Frauen und 82 Prozent bei der männlichen Bevölkerung deutlich auseinander.

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Damit haben wir einen Eindruck davon gewonnen, wie sie so ist – unsere schöne, neue, digitale Welt. Zerklüftet und gespalten, wohin man schaut. Lasst uns nach und nach gemeinsam ergründen, was die Ursachen dafür sind, wie sich die eine oder andere Kluft schließen ließe und was das für die Rolle von digital women hieße.

Ich freue mich auf unseren Austausch!

Frucht1

# – Die Macht ist mit dem Zeichen!

Von Doreen Brumme

Das sogenannte Hashtag, auf Deutsch: Raute, ist ein Zeichen der Macht in Zeiten von Demokratie 4.0. Es markiert Schlagworte, schafft virtuelle Verbundenheit. Aus dieser resultiert Masse und Masse ist mächtig.

Hashtag, gesprochen: „häschtägg“. „hash“ ist der englische Name für das Doppelkreuz, das wir auch Raute nennen. „tag“ steht für Markierung. Das Zeichen benutzen diejenigen, die tagtäglich im Internet unterwegs sind, wie einen Marker, um in Social Medien wie Twitter, Facebook, Instagram, Pinterest, Linkedin, um nur einige Beispiele zu nennen, ihnen wichtig erscheinende Schlagworte, existierende Ausdrücke oder ausgedachte, ein-Wort-Gebilde oder Wortaneinanderreihungen, in ihren schriftlichen Äußerungen hervorzuheben. Doch die Funktionalität des Hashtags geht weit über eine optische Markierung hinaus: Denn die dem Hashtag ohne Leerzeichen, Sonderzeichen und Satzzeichen folgenden Zeichen bekommen so eine Art „Metamacht“.

Dank des vorgestellten Hashtags vor der Wortaneinanderreihung #Demokratie4punkt0 in einer Statusmeldung auf Facebook beispielsweise wird diese in ganz Facebook suchbar und wieder auffindbar. Und nicht nur das: Sämtliche Erwähnungen der markierten Zeichenfolge werden so funktionalisiert, vorausgesetzt, das Hashtag geht ihnen voran. Das Zeichen sorgt so für Ordnung in einem Informationschaos, das das Gebilde Internet, in dem jeder zum Sender und Empfänger von Informationen wird, darstellt. Auf diese Hashtag-Weise lassen sich bestenfalls zig Informationstropfen zu einem gemeinsamen Thema zu einem mächtigen Informationsfluss bündeln.

Der machtvollen Karriere der Raute als Hashtag in unserer Zeit, die Deutschlandradio Kultur ausführlich beschreibt, geht übrigens eine Geschichte der Rautetaste voraus, die Christian Kämmerling in der Schweizer Onlinezeitung „Die Weltwoche“ auf bemerkenswerte Weise geschildert hat. Wer wissen will, wie die Raute überhaupt auf die Tastatur kam, findet dort die Antwort. Doch das nur nebenbei. Obwohl, wer die Gegenwart verstehen will, sollte wissen, woher sie kommt.

Zum Zeichen der Macht wird das Hashtag, das strategisch platziert wird, um gleichgeschriebene Ausdrücke zu bündeln. Denn damit bündelt das Zeichen deren Verfasser. Strategisch bestenfalls entsteht so ein Bündel gleichgesinnter Verfasser, die so von der Existenz Gleichgesinnter erfahren. Das schafft Emotionen, die die mächtigsten Handlungsmotive des Menschen darstellen: Freude, Liebe, Neid, Gier, Hass, Missgunst. Je nachdem, was erreicht werden soll, Werbung, Meinung, Handeln, bespielen politische und ökonomische Strategen mit Hashtags die Klaviatur der Gefühle einzelner. Doch auch das ist nur die eine Seite der Macht des Raute-Zeichens. Sozusagen, die der individuellen Rezeption.

Denn der mächtige Informationsfluss, den die Äußerungen um die gehashtagten Schlagwörter in ihrer Masse bilden, sind als solcher wahrnehmbar. Sie sind massenweise bekundete Meinung, die je nach Inhalt von der Öffentlichkeit als Massenmeinung rezipiert wird. Die Masse ist mit dem Hashtag voran sichtbar. Geschickt gesetzt, ergibt sich dank des Hashtags eine Masse Macht.

Die vergangenen Jahre haben viele Beispiele hervorgebracht, wo eine mit Hash getagte Zeichenfolge das Leben innerhalb und außerhalb der virtuellen Realität des Internets machtvoll zu beeinflussen vermochte: Als Hashtag-Erfolg oder Misserfolg, wobei das Hashtag dann schnell zum Bashtag wird. Aber dazu ein andermal mehr.