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Schlappbluete

Glosse: Der Fake-News Hype macht mir die einfache Welt

Von Thomas Nasswetter

Die Zahl der Flache-Erde-Theoretiker wächst. Ebenso die Zahl der Klimawandel-Leugner, der Chemtrails-Gläubigen und der Erleuchteten die sicher wissen, dass der Mensch noch nie auf dem Mond war. Überhaupt ist alles ein großer Schwindel der Illuminaten, der Bilderberger und unserer Regierungen.

Die „Freie Energie“ ist schon lange zugänglich, aber multinationale Konzernen und deren gekaufte willfährige Politiker halten die Technologie unter Verschluss, weil sie sonst ihr Öl, ihre Kohle oder was auch immer nicht mehr verkaufen könnten. Und ja, der Bevölkerungstausch, das ist die schlimmste Verschwörung von allen überhaupt – ergo: Merkel und Soros müssen weg! Über all das hab ich in den letzten Monaten so viele Berichte im Internet gelesen, Bekannte haben das in Facebook geteilt und es gibt jede Menge Videos auf YouTube, die das belegen. Da muss einfach was dran sein!

Das einfache Leben

Ist es nicht wunderbar, in einer simpel gestrickten Welt zu leben, wo alles ganz einfach erklärt werden kann. Der Strom kommt aus der Steckdose oder wird von einer bösen CIA Verschwörung missbraucht ganze Seen in Bolivien auszutrocknen, weil Evo Morales nach der Weltmacht strebt und die Hegemonie der USA in Gefahr bringt. Die Milch kommt aus dem Supermarkt und die Milch der frommen Denkart ist schon seit Gesslers Zeiten zu bitterem Drachenblut geronnen. Ja, Schiller – wie wahr!

Meine geniale Verantwortungslosigkeit

Ich kann für mein Leben keine Verantwortung mehr übernehmen, es ist eh alles ein Fake, die Regierung hintergeht mich permanent. Na ja, fast: Die Lichtgestalten Orban, Erdogan und Putin unterdrücken ihre ihnen anvertrauen Völker weil sie nur das Beste für sie (oder sich) wollen. Nur sie kennen die Wahrheit, sie sind glaubwürdig und Fake-News kommen immer nur von den anderen. Ja, so einfach ist die Welt.

I am a rock. I am an island

Also – wozu muss ich mich noch um Beziehungen zu anderen Menschen bemühen, die sind sowieso alle von den linkslinken Echsenmenschen gesteuert. Der einzige zentrale Bezugspunkt in diesem Universum bin schließlich ich. Ich stehe ganz sicher und verlässlich fest zu meinen Ansichten, denn die Welt ist flach!!! Also kann ich ungalublich sicher stehen und bin nicht in Gefahr irgendwo herunterzufallen.

Schwertlinie

Die Suche nach der einzig wahren Wahrheit

Von Benjamin Kloiber

Fake, Fake, Fake

Fake News wurde bereits zum Anglizismus des Jahres 2016 gekürt und hat auch in laufenden Jahr Chancen, in der ein oder anderen Kategorie (unrühmliche) Preise abzusahnen. Wir alle kennen Fake News. Zuhauf lesen wir welche auf Sozialen Netzwerken oder hören sie direkt aus dem Mund eines amerikanischen Wüterichs und Präsidenten.

Doch wie erkennt man, was Fake ist und was nicht? Zum Teil kann das schwierig sein. Manchmal sind die falschen Nachrichten so gut aufbereitet, dass sie wahr sein KÖNNTEN, …wenn sie es denn wären.

Binnen den letzten Wochen hat sich nicht nur einer; es haben sich sogar zwei prominente „Macher“ zur Aufgabe gemacht, uns von Fake News zu befreien. Sowohl der Wikipedia-Gründer Jimmy Wales als auch der Dosenmogul Dietrich Mateschitz wollen ein Onlineportal gründen, dass nicht als die Wahrheit verbreiten soll.

In der Dose liegt die Wahrheit?

Solch ein Vorhaben mag edel sein. Aber Skepsis ist dennoch angebracht. Wie bei allen Nachrichtenportalen, Zeitungen, Sendungen, usw. gilt: Eine 100%ige Vollständigkeit gibt es nicht. Kann es nie geben. Es werden ganze Bücher verkauft, mit Nachrichten, die es in den letzten 365 Tagen nicht in die Medien geschafft haben. Ein jedes Medium muss selektieren. Auch ein Nachrichtenprotal mit der einzig wahren Wahrheit.

Es mag am Ende etwas herauskommen, das bestimmt nicht als Fake News zu bezeichnen ist. Aber ein kleine Kelle Subjektivität schummelt sich in jeden Suppentopf. Auch die Selektion der Nachrichten ist alleine schon eine Wertung. Und ganz nebenbei: Reiche mächtige Männer, die Geld in die Hand nehmen, um Wahrheit zu verbreiten… Das alleine bringt mich dazu, die Nase zu rümpfen. Da darf man ruhig skeptisch sein.

Lesen mit Verstand

Ich habe das hier nicht geschrieben, um die Bemühungen, gegen Fake News vorzugehen zu verteufeln. Ich schreibe das, weil ich der festen Überzeugung bin, das Fake News ein Virus ist, der nicht zur Gänze auszulöschen ist. Es wird sie immer geben. Und sie werden immer Gehör finden. Die besten Impfungen sind ein reflektierter Konsum von Nachrichten und kritisches Hinterfragen. Wer dies beherrscht, ist so gut wie immun gegen Fake News.

Seifenpflanze

Braucht die Welt noch Journalismus?

Von Benjamin Kloiber

NZZ.at wird eingestellt

Knapp 2 Jahre lang hielt sich das Projekt am Laufen. Aber nun ist es gescheitert. Ende April stellt der österreichische Ableger der „Neuen Züricher Zeitung“ – NZZ.at – den Betrieb ein. Das rein digitale Medium versuchte, sich durch Abos zu finanzieren. Vergeblich. Was lernen wir daraus?

Das Zeitungssterben schreitet voran

Printmedien werden weniger und dünner. Der Ausweg ins Netz schien lange Zeit als Überlebensstrategie zu taugen. Und nun geht eine Zeitung bankrott, die kein einziges Mal gedruckt wurde. Das wirft eine Frage auf, die sich nicht auf Printmedien beschränkt: Ist der Journalismus überlebensfähig?

Qualitätsjournalismus ist wertvoll

Die Frage ist klar zu bejahen. Qualitätsmedien sind oft meritorische Güter. Das bedeutet, sie werden weniger oft konsumiert, als es für die Gesellschaft wünschenswert wäre. Auch Sport und Schulbildung sind solche Beispiele. Und genauso wenig wie Schulbildung darf Qualitätsjournalismus begraben werden.

Nachrichten sind gratis

Wenn etwas Nennenswertes auf der Welt geschieht, erfahre ich auch davon. Der Zeitungsjunge, der mit brauner Baskenmütze auf einer gut frequentierten Straße steht, mit der Zeitung in der rechten Hand wedelt und ruft: „Extrablatt! Extrablatt!“, hat als Geschäftsmodell ausgedient.

Der Wert hinter dem Wert

Eine gute Aufbereitung wissenswerter Inhalte wird immer ihre Abnehmer finden. Und auch wenn der Kaufpreis alleine die Kosten augenscheinlich nicht deckt, gibt es staatliche und private Förderer, die den Wert der Botschaften zu schätzen wissen. Es wird Umbrüche geben. Aber Journalismus wird nicht verenden.