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Zivilcourage: Wie mutig und verantwortungsvoll sind wir?

Von Maria Nasswetter

Sie kennen bestimmt folgendes Phänomen. Sie sind Fußgänger und stehen mit anderen Passanten an einer roten Ampel. Es kommt weit und breit kein Auto. Sie übernehmen für sich die Verantwortung und machen den ersten Schritt. Sie gehen also bei rot über die Straße weil es ihnen doof vorkommt nur da zu stehen und (unnötig) zu warten. Eines muss dabei allerdings klar sein. Sie verstoßen damit gegen die Straßenverkehrsordnung und es kann sie etwas kosten, wenn Sie von einem Polizisten erwischt werden. Sie müssen sich dabei auch im Klaren sein, dass Sie die Situation vielleicht nicht gut genug abschätzen und sich in eine mögliche Gefahr begeben. Und sie werden von der Umwelt wahrgenommen. Das bedeutet, dass andere Verkehrsteilnehmer auf ihr Handeln reagieren. Es wird bestimmt der ein oder andere nun auch die Straße mit Ihnen oder unmittelbar danach die Straße queren. Befinden sich Kinder, noch dazu ohne Begleitung am Straßenrand sollten Sie gut überlegen, was Sie tun.

Diskussion mit einem couragierten Polizisten

Ich wurde als Jugendliche von einem Polizisten ermahnt, als er mich dabei beobachtete, wie ich die Straße bei rot überquerte. Er sagte, ich müsse für meinen Verkehrsübertritt zahlen. Ich begann mit ihm zu diskutieren. Mein Argument damals war, dass ich nur deshalb bei rot losgegangen sei, da die Kreuzung übersichtlich war und daher gänzlich ungefährlich erschien, diese in dem Augenblick zu überqueren. Er erwiderte, dass ich aber Vorbildwirkung haben müsse. Wenn nun ein Kind mich gesehen hätte, würde es vielleicht das nächste Mal auch bei Rot über die Ampel gehen und die Folgen könnten fatal sein. Ich konterte, dass es aber schlecht sei, wenn wir und Kinder miteingeschlossen, darauf konditioniert werden, bei grün zu gehen und bei rot stehen zu bleiben. Wir würden so dazu tendieren, mehr der Technik als dem eigenem Wahrnehmen zu vertrauen. Denn jeder macht auch Fehler im Straßenverkehr und kann etwas übersehen. Also ist es gut, sich immer selbst zu vergewissern ob das Vorgeschriebene auch sinnvoll erscheint. Er ließ sich tatsächlich davon überzeugen und ich musste kulanterweise nichts bezahlen. Das rechne ich dem Ordnungshüter hoch an. Denn auch er hätte auf sein Recht pochen können ungeachtet seiner Überzeugung. Das bringt mich zum eigentlichen Thema, der Zivilcourage und der Eigenverantwortlichkeit.

Zivilcourage – die Eigenverantwortung im Alltag

Mit offenem Blick durchs Leben gehen und in Kontakt mit den anderen Alltagsteilnehmern treten. Das ist eine Voraussetzung um mitzubekommen, was rund um einen geschieht. Sie mögen vielleicht denken, gut und schön. Aber Sie haben so viel mit sich zu tun, mit Dingen, die gelöst und getan werden müssen. Das sind die Anderen auf der Straße, in der U-Bahn oder im Einkaufcenter nebensächlich. In gewisser Weise ist es zweckdienlich, nicht alles und jedes und permanent was uns umgibt, aufzunehmen. Denn wir müssen handlungsfähig bleiben und Dinge auch ausblenden. Dennoch sollte eine Mindestwahrnehmung der Umgebung vorhanden sein. Weil wir Teil aller Anwesenden sind und jederzeit mitgestalten können und sollen.

Die Demokratie reift bereits im Mikrobereich

Sie stört etwas. Bleiben wir im Straßenverkehr. Gerade im Sommer lassen einige Autofahrer gerne im Stand den Motor laufen. Das oft über 10 Minuten lang. Sie schädigen sich in erster Linie selbst damit und wissen es vermutlich gar nicht. Sie sind diejenigen, die die schädlichen Abgase am direktesten abbekommen. Darüberhinaus ist es für alle anderen Menschen in ihrer Umgebung gesundheitsgefährdend und zudem störend.

Nur ärgern oder versuchen aus der Not eine Tugend zu machen

Sie haben die Wahl. Sie können den soeben beschriebenen Umstand ignorieren, sie können sich still und heimlich ärgern oder sie können Zivilcourage zeigen und den Verursacher zur Rede stellen. Im besten Fall gelingt es ihnen, ihn zur Einsicht zu bringen, aber so, dass er und sie den kurzen Diskurs in angenehmer Weise erleben.

Alltagsdiplomatie ist das Zauberwort

Wie durchaus beglückend kann ein Umstand sein, der unangenehm beginnt und sich in Wohlgefallen für alle Beteiligten auflöst. Setzen Sie Ihren Charme ein. Lächeln Sie während Sie dem Gegenüber bitten, den Motor abzustellen. Weisen Sie ihn darauf hin, dass sie sich auch um seine Gesundheit sorgen. Und vor allem. Meinen Sie was Sie sagen. Sollte es beim ersten Mal nicht so klappen, dann kann man das üben bei vielen Gelegenheiten üben. Sie üben diplomatisch zu handeln. Dieses Wissen können Sie zudem beruflich nutzen.

Sind beide Handlungspartner zufriedengestellt lässt es sich besser leben.