Beeinflusst Google, wen wir wählen?

Schlappbluete

Von Benjamin Kloiber

Die wenigsten von uns überweisen Google oder Facebook Geld. Dennoch gehören sie zu den wertvollsten Firmen dieser Welt. Sie brauchen gar kein Geld von uns. Wir füttern sie mit unseren Daten. Mit jeder Suchanfrage auf Google, mit jedem „Gefällt mir“ auf Facebook, mit jedem Einkauf bei Amazon verraten wir den Internetriesen, was wir denken, was wir fühlen, was wir wollen und wer wir sind.

Wir nutzen diese Dienste täglich. Manche sind regelrecht süchtig nach ihnen. Dennoch lieben wir die Internetgiganten nicht bedingungslos. Es ist vielmehr eine Hassliebe. Uns ist bewusst, dass Amazon den Händler um die Ecke verdrängt. Wir wissen, dass Google und Facebook trotz Milliardengewinnen kaum Steuern zahlen.

Wir sind Produkte

Und machen wir uns nichts vor. Wir sind nicht bloß deren Kunden und damit die Könige – wir sind auch deren Produkte. Google hält in der EU einen Marktanteil von über 90%. Wir können uns zwar einreden, dass wir mit unserer Suche im Web selbst entscheiden, was wir finden. Doch dann würden wir uns belügen. Google entscheidet – nicht wir.

Wettbewerb? Fehlanzeige!

Unsere Gesellschaft und die Gesetze sind nicht auf diese Übermacht einiger weniger Internetriesen eingestellt. Wettbewerb? Fehlanzeige! In einigen Bereichen konkurrieren diese Firmen vielleicht kurz miteinander. Doch der Markt scheint aufgeteilt. Wettbewerbshüter staunen bloß und nehmen diese Monopole reglos hin.

Werden wir manipuliert?

Der amerikanische Psychologe Rob Epstein warnt seit dem Jahr 2015 vom negativen Einfluss von Google und Facebook auf die Demokratie. Auch heuer legte er mit seiner Kritik nach und mokierte sich darüber, dass Google und Facebook für viele Leute entscheiden, welche Neuigkeiten aus welchen Quellen vorgesetzt werden. Auf der CeBIT-Messe vor zwei Jahren meinte Epstein: „Ganz egal, was das (Google-)Management für Absichten haben mag: Das Programm entscheidet schon heute über den Ausgang von Wahlen in aller Welt.“ Als Referenz bezog er sich auf Tests, die in Indien und den USA durchgeführt wurden. Diese haben gezeigt: Es reicht die Reihenfolge, in der Politiker bei Suchergebnissen auftauchen, um Wähler zu beeinflussen. „99 Prozent der Teilnehmer hatten keine Ahnung, dass sie manipuliert wurden“, sagte Epstein.

Google und Facebook entscheiden, was wir sehen

Google mag noch abstreiten, dass sie Einfluss auf Wahlen und die Demokratie im Allgemeinen nimmt. Bei Facebook ist man da schon ehrlicher. 2014 führte das Unternehmen mit 700.000 Versuchskaninchen (oder Nutzern) eine Art Psychotest durch. Eine Hälfte bekam vorwiegend positive Nachrichten von Facebook-Freunden zu sehen – die andere Hälfte negative. Die zwei Ergebnisse: Ja, Facebook konnte die Emotionen der Menschen steuern. Ein Teil der Leute war am Ende tatsächlich positiver gestimmt als der andere. Und zweitens: Den Nutzern war nicht bewusst, dass Facebook ihre Gedanken, ihre Emotionen steuerte.

Diese zwei Dinge sollten wir uns alle bewusst machen: Internetgiganten wie Google und Facebook können steuern, was wir sehen, denken und fühlen und sie haben es bereits gemacht. Das Zweite ist: Wenn es passiert, wissen wir es nicht. Beeinflussen Google und Facebook also, wen wir wählen. Ja, das tun sie. Steuern sie es auch? Vielleicht. Vielleicht auch nicht. Who knows?

 

 

Quellen:

http://www.rp-online.de/digitales/internet/rob-epstein-der-google-algorithmus-kann-die-demokratie-gefaehrden-aid-1.4950791

http://diepresse.com/home/wirtschaft/5271451/Gibt-uns-Google-was-uns-zusteht

0 Antworten

Hinterlassen Sie einen Kommentar

Wollen Sie an der Diskussion teilnehmen?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.