Warum arbeiten wir?

Baum2

Von Benjamin Kloiber

Argumente gegen ein bedingungsloses Grundeinkommen gibt es zuhauf. Manche sind gerechtfertigt, wie der Einwand, dass das Steuersystem von Grund auf überarbeitet werden müsste. Das stimmt. Ob man das schlecht finden muss, ist eine andere Sache. Doch das wohl bekannteste intellektuell ärmste Argument, ist der plumpe Kneipenspruch: Dann gehen die Leute ja nimmer arbeiten! Diese Befürchtung suggeriert, dass es nur einen einzigen Grund gibt, um arbeiten zu gehen: Geld.

Die Studie Wertewelten Arbeiten 4.0 im Auftrag des deutschen Bundesministeriums für Arbeit und Soziales zeigt, dass es für die Menschen nicht nur diesen einen Grund gibt, zu arbeiten. Leute haben unterschiedliche Werte und lassen sich anhand dieser Studie in 7 Arbeitstypen einteilen:

Die 7 Arbeitstypen

  1. Sorgenfrei von der Arbeit leben können: Arbeit dient dieser Gruppe einzig und allein dem Zweck, ein sorgenfreies und erfülltes Privatleben unterhalten zu können. Etwa 25-30% der Befragten gehören dieser größten Gruppe an. Der Staat hat für sie die Aufgabe, sozial abzusichern. Einem bedingungslosen Grundeinkommen stehen diese Menschen größtenteils positiv gegenüber.
  1. In einer starken Solidargemeinschaft arbeiten: Gegenseitige Loyalität, Teilhabe an der Gesellschaft und Wertschätzung für ihre Leistungen. Das liegt dieser Gruppe besonders am Herzen. Diese 10% spüren eine zunehmende Kluft zwischen Unternehmen und ihren Mitarbeitern. Der Stellenwert der Mitarbeiter hat sich verschlechtert und soziale Netz des Staates ist zu dünn geworden. Diese Menschen sind klar für ein Grundeinkommen.
  1. Den Wohlstand hart erarbeiten: Wer hart genug arbeitet, erreicht auch was. Diese Gruppe von 15% glaubt, durch Arbeit zu Wohlstand zu gelangen. Die klassische Nachkriegsgeneration also. Auf Sozialleistungen legen diese Menschen weniger wert. Ihnen sind Wirtschaftsdaten, wie das BIP und ein Exportüberschuss wichtiger, damit Deutschland seine wirtschaftspolitische Hegemonialstellung nicht gefährdet.
  1. Engagiert Höchstleistung erzielen: Das Motto dieser Gruppe lautet: Leistung um der Leistung willen. Zielstrebigkeit, Flexibilität und Spaß am Stress gehören zu den Eigenschaften jener 10-15%. Diese Menschen fürchten die Digitalisierung nicht. Sie freuen sich auf die neuen Herausforderungen, die dadurch einhergehen. Sie sind zuversichtlich, auch in der neuen Arbeitswelt obenauf zu sitzen – sofern die Rahmenbedingungen es erlauben.
  1. Sich in der Arbeitswelt selbst verwirklichen: Diese Menschen arbeiten nicht, um sich ein erfüllendes Privatleben leisten zu können – sondern die Arbeit ist Teil ihres erfüllten Lebens. Geld um des Geldes Willen oder Aufstieg um des Aufstiegs Willen sind keine Ziele dieser 10%. Sie wollen Flexibilität in jeglicher Hinsicht und legen Wert auf Kinderbetreuungsmöglichkeiten.
  1. Balance zwischen Arbeit und Leben finden: Auch diese Gruppe hebt die Arbeit nicht aufs Podest. Sie sehnt sich nach Gleichgewicht. Arbeit, Familie, Sport, Abendunterhaltung: Alles soll nebeneinander existieren können, ohne einander zu schaden. Der Mensch steht für diese 10-15% im Fokus. Die Wirtschafts- und die Arbeitswelt müssen sich dem Menschen anpassen – und nicht umgekehrt.
  1. Sinn außerhalb seiner Arbeit suchen: Diese Menschen empfinden gemeinnützige Tätigkeit in der Regel sinnstiftender als ihre Erwerbsarbeit. Diese 10-15% engagieren sich für die Gemeinschaft, wie andere in ihrer Arbeit. Diese Gruppe erwartet vom Staat ihren Bürgern ein lebenswertes Leben zu garantieren – unabhängig davon, wieviel Geld jemand verdient. Auch diese Gruppe ist sehr affin mit dem bedingungslosen Grundeinkommen.

Wir arbeiten trotz Grundeinkommen!

Wir wissen nun: Arbeit hat für die Leute einen verschieden hohen Stellenwert. Manche arbeiten, um zu arbeiten. Einige arbeiten, um reich zu werden. Andere arbeiten, um sich selbst zu verwirklichen. Aber – und das ist entscheidend – sie ARBEITEN. Arbeit erfüllt verschiedene Zwecke im Leben verschiedener Menschen. Aber wie wir im oben dargestellten Modell sehen, ist Arbeit (positiver) Teil des Lebens der Menschen. Und daran kann auch ein bedingungsloses Grundeinkommen nichts ändern. Es verhindert nicht, dass Leute arbeiten – es verhindert, dass Leute, die nicht arbeiten (können), zu den Verlierern in unserer Gesellschaft gehören.

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